Durchlaufen auch Männer eine Schwangerschaft?

Bild von Pärchen

Wenn eine Frau ein Kind erwartet, wirkt sich dies ebenso auf ihren Partner aus. Der bekannte Ausspruch, dass auch Männer schwanger werden, ist mittlerweile wissenschaftlich belegt und wird als Couvade-Syndrom bezeichnet. Dieser Begriff leitet sich vom französischen Verb „couver“ ab, das „ausbrüten“ bedeutet. In diesem Sinne besteht also auch gewissermaßen eine Männer-Schwangerschaft.

Die Symptome des Couvade-Syndroms

Eine Männer-Schwangerschaft zeigt ähnliche Symptome wie bei einer Frau. Es kommt zu morgendlicher Übelkeit bis hin zum Erbrechen und nicht wenige Männer leiden außerdem an Schwindelgefühlen und Kopfschmerzen. Der Zustand der Partnerin überträgt sich also sehr deutlich auf den Mann und es kann mit Berechtigung von einer Männer-Schwangerschaft gesprochen werden.
Selbst auf das Körpergewicht wirkt sich die Schwangerschaft der Frau aus: Statistisch gesehen, nimmt der Mann während der Männer-Schwangerschaft etwa 4 kg an Gewicht zu. Hinzu kommt die Ausprägung eines starken Wunsches die Partnerin und das ungeborene Kind zu beschützen und zu umsorgen.

Wie entsteht das Couvade-Syndrom?

Die Forschung ist sich über die Ursachen der Männer-Schwangerschaft noch nicht hundertprozentig schlüssig. Eine Kombination aus hormonellen und modernen soziologischen Gründen gilt jedoch als Hauptursache. Auf hormoneller Ebene ist es so, dass Frauen während ihrer Schwangerschaft Sexualhormone aussenden, die den Brutpflegetrieb des Mannes wecken und stärken sollen. Sind die Männer dafür sehr empfänglich, entwickeln sie die Symptome der Männer-Schwangerschaft. In der Biologie hat dies durchaus seine Berechtigung, denn ein solchermaßen beeinflusster Mann wacht über die Frau und das Ungeborene und erhöht somit deren Überlebenschancen.
Auf soziologischer Ebene ist festzustellen, dass moderne Männer ihren Frauen in jeder Hinsicht sehr viel näher sind als noch eine Generation zuvor. Die Männer fühlen sich ihren Frauen emotional sehr eng verbunden und betrachten sich – zumindest häufig – nicht mehr allein als Ernährer der Familie, der mit den alltäglichen Belangen nicht viel zu tun hat. Somit spiegelt die Männer-Schwangerschaft diese Nähe wider und zeigt, dass der Mann sich in seine Frau hineinversetzt und mit ihr fühlt.

Weitere Erklärungsmodelle

Es existieren auch Denkansätze, die als Ursache für das Couvade-Syndrom unbewusste innere Konflikte der Männer zugrunde legen. Sie haben, ohne es genau zu wissen, Angst vor der neuen Situation, die mit der Geburt des Kindes auf sie zukommt, und befürchten auch eine Konkurrenzsituation zwischen sich und dem Kind um die Zuneigung der Mutter.
Eine andere mögliche Ursache könnte im so genannten Gebärneid liegen. Auch diese Emotion entwickelt sich unbewusst und löst in der Männer-Schwangerschaft ein Neidgefühl darüber aus, dass die Frau ein Kind bekommen kann und der Mann nicht. Die Schwangerschaftssymptome fungieren hier als eine Art Kompensation.

Ist die Männer-Schwangerschaft behandlungsbedürftig?

In praktisch allen Fällen ist das Couvade-Syndrom vollkommen harmlos. Die Symptome verschwinden spätestens mit der Geburt des Kindes und auch die Ernährungsgewohnheiten gehen auf das Normalmaß zurück. Da die Männer Schwangerschaft häufig für eine stärkere Nähe zu Partnerin und Kind sorgt, nehmen die Männer generell äußerst intensiv an der Kinderbetreuung teil – von Anfang an. Somit entwickelt sich aus dem Couvade-Syndrom in vielen Fällen eine enge Beziehung des Mannes zu Frau und Kind.

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Klara

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Klara ist Dipl.-Pädagogin und unsere Expertin für Babys und Kleinkinder.

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Klara

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