Ringelröteln bei Kindern: 8 wichtige Fakten über Ringelröteln

Inhaltsverzeichnis:

Bild: Hände mit Ringelröteln

Ringelröteln können sich über den ganzen Körper ausbreiten.

 

1. Ringelröteln bei Kindern

Ringelröteln heißen im Fachjargon Erythema infectiosum und sind eine Viruserkrankung, die vor allem bei Klein- und Schulkindern im Alter zwischen sechs und fünfzehn Jahren auftritt. Parvovirus B 19 heißt ihr Erreger, der auf der ganzen Welt verbreitet ist. Charakteristisch für diese Erkrankung ist der Hautausschlag, das sogenannte Exanthem. Bei Ringelröteln handelt sich um eine Tröpfcheninfektion, die unter anderem durch Niesen oder Husten übertragen wird. Da sie sehr ansteckend ist, tritt die Erkrankung bei Klein- und Schulkindern zumeist epidemieartig auf, da sich die Kinder im Kindergarten oder in der Schule durch das Beisammensein in Gruppen gegenseitig anstecken.

 

2. Woran Sie Ringelröteln erkennen

Bild: Kleines Baby mit Ringelröteln

Typisch für Ringelröteln ist der Ausschlag im Gesicht.

Ringelröteln gehören neben Masern, Windpocken, Scharlach und Röteln zu den klassischen Kinderkrankheiten. Sie werden als fünfte Kinderkrankheit bezeichnet und oft mit Röteln, die mit einem roten fleckigen Ausschlag hinter den Ohren beginnen, verwechselt. Tatsächlich handelt es sich bei Ringelröteln um eine eigenständige Infektionskrankheit, die durch das Parvovirus B 19 verursacht wird, bei dem es sich um das kleinste bekannte Virus überhaupt handelt.

Typische Anzeichen bei Kindern sind der symmetrische Hautausschlag im Gesicht und die stark geröteten Bäckchen mit leichter Schwellung, weshalb die Krankheit auch als „Ohrfeigenkrankenheit“ bezeichnet wird. Der typische Hautausschlag kann sich auch auf die Außenseiten der Arme und Beine ausdehnen bis hin zu roten Flecken am ganzen Körper. Die Hautrötungen haben die Größe einer Münze und breiten sich girlandenförmig oder landkartenartig aus, wobei sie ineinander fließen können. Allerdings treten diese optischen Merkmale nicht bei jedem Kind auf, weshalb die Ringelröteln in vielen Fällen unerkannt bleiben. Zu den allgemeinen Krankheitssymptomen können Abgeschlagenheit ebenso gehören wie leichtes Fieber oder erhitzt sein, Gelenkschmerzen und Beschwerden, die einer Erkältung ähnlich sind. Manche Kinder leiden auch an Schluckbeschwerden und einer Anschwellung der Lymphknoten.

 

3. Der Verlauf der Erkrankung in zwei Phasen

Die Ringelrötelviren gelangen über die Schleimhäute der Atemwege in den Körper und vermehren sich hier, weshalb diese erste Phase auch als Stadium der Virusvermehrung bezeichnet wird. Diese Phase der Erkrankung wird auch als Inkubationszeit bezeichnet und kann zwischen 4 und 21 Tagen betragen, wobei die Ansteckungsgefahr in der Zeit zwischen dem vierten und zehnten Tag am größten ist. Schon während dieser Zeit kann ein bereits infiziertes Kind, das noch keine sichtbaren Symptome aufweist, andere Kinder und vor allem Familienangehörige anstecken.

Sind die Symptome erst einmal sichtbar, besteht praktisch keine Ansteckungsgefahr mehr. Das ist das zweite Stadium, das sogenannte Exanthemstadium, in dem sich die Erkrankten meist unwohl fühlen und leichtes Fieber haben. Sofern ein Hautausschlag auftritt, ist er zuerst im Gesicht sichtbar. Während die knorpeligen Anteile der Nase, das Kinn und die Lippen keine Verfärbungen aufweisen, sind die Wangen und die Nasenwurzel gerötet, was manchmal von einem geringen bis starken Juckreiz begleitet wird. In Folge kommt es zu den für die Krankheit charakteristischen Ausbildung von girlandenförmigen Figuren, die sich vom Gesicht über die Arme und Beine ausbreiten. Seltener wandert der Hautausschlag bis zum Gesäß oder breitet sich über die Brust und den Bauch aus. Ein bis maximal drei Wochen kann er andauern, dann klingt er ohne sichtbare oder bleibende Folgen ab. Tatsächlich sind diese Symptome so harmlos, dass Sie möglicherweise gar nicht auf die Idee kommen, dass Ihr Kind an einer Kinderkrankheit leidet, zumal nur knapp ein Fünftel der erkrankten Kinder überhaupt diesen für Ringelröteln typischen Hautausschlag hat.

 

4. Wann Ringelröteln gefährlich werden können

Bild: Geschwollenes Knie

Erkrankt ein Erwachsener, kann es passieren, dass Gelenke wie das Knie anschwellen.

Nicht nur Kinder stecken sich mit Ringelröteln an, sondern auch Erwachsene können diese Viruserkrankung bekommen. Je älter ein Mensch ist, umso heftiger können sich die Symptome auswirken, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer. Anders als bei Kindern können bei Erwachsenen Finger- und Handgelenke anschwellen ebenso wie die Knie und die Fußknöchel. Kritisch ist die Erkrankung in der Schwangerschaft. Dies gilt vor allem für die Zeit zwischen der 13. und 20. Schwangerschaftswoche, da in rund ein Drittel der Fälle der Virus über die Gebärmutter in die Blutbahn des ungeborenen Kindes gelangt. Parvoriren stören vor allem die Bildung von roten Blutkörperchen, so dass bei rund fünf bis zehn Prozent der Ungeborenen Schwierigkeiten auftreten können. Mögliche Folgen können eine schwere Blutarmut beim ungeborenen Kind sein oder Wassereinlagerungen im Brust- und Bauchbereich. Im schlimmsten Fall kann eine Schwangere eine Fehlgeburt erleiden.

Neben älteren Menschen und Schwangeren gibt es weitere Personengruppen, die durch eine Infizierung mit Ringelrötelviren und dem damit einhergehenden Mangel an roten Blutkörperchen in eine ernsthafte Gefahr geraten könnten. Dazu gehören unter anderem Menschen mit einer andauernden Blutarmut oder einer Immunschwäche, Leukämiepatienten, HIV-Infizierte sowie Menschen mit einem transplantierten Organ.

 

5. Einmal Ringelröteln und dann nie wieder

Bild: Hände schütteln

Schon ein Händedruck reicht aus, um andere Menschen mit Ringelröteln anzustecken.

Ringelröteln sind eine Tröpfcheninfektion und können nicht nur durch Niesen übertragen werden. Einige Tröpfchen beim Husten, ein bisschen Speichel oder Nasenschleim, beispielsweise übertragen durch ein Taschentuch oder einen Händedruck, reichen aus, um eine Ansteckung auszulösen. Besonders groß ist deshalb die Ansteckungsgefahr dort, wo Menschen gehäuft aufeinandertreffen, also im Kindergarten, in der Schule, im Sportverein, bei einem Kindergeburtstag oder eben in der Familie.
Wer sich einmal mit Ringelrötelviren infiziert hat, ist für den Rest seines Lebens geschützt. Eine Impfung gibt es indes nicht, dementsprechend auch keinen Impfstoff. Da die Krankheit oftmals übersehen oder als solche nicht identifiziert wird, wissen auch die meisten Menschen nicht, ob sie immun sind oder nicht. Dies trifft auf rund die Hälfte aller Erwachsenen in Deutschland zu.

 

6. Vorbeugende Maßnahmen zum Schutz vor Ansteckung

Um das Ansteckungsrisiko nicht nur innerhalb der Familie zu reduzieren, helfen hygienische Maßnahmen, beispielsweise regelmäßiges Hände waschen. Das gilt auch für größere Einrichtungen wie Schulen und Kindergärten. Doch oftmals ist eine Ansteckung nicht zu vermeiden, insbesondere wenn Sie Ihr Kind trösten, es in den Arm nehmen und küssen. Vor einer Schwangerschaft ist es deshalb sinnvoll, wenn Sie sich zuvor auf Ringelröteln testen lassen. Dies gilt umso mehr, wenn Sie beruflich mit Kindern zu tun haben, beispielsweise als Lehrerin oder Erzieherin. Sind Sie bereits schwanger und werden bei Ihnen aktuell Ringelrötelviren nachgewiesen, sollten in regelmäßigen und zeitlich kurzen Abständen Ultraschalluntersuchungen vorgenommen werden, um die Gesundheit des ungeborenen Kindes zu überwachen. Kommt es zu einer Infektion mit Ringelrötelviren, kann eine Blutübertragung für das Kind sinnvoll sein.

Einen grundsätzlichen Schutz vor dieser Viruserkrankung gibt es allerdings nicht. Aufgrund eines fehlenden Impfstoffes gibt es auch keine Impfung, die vor der Erkrankung schützt. Das ist auch nicht nötig, da die Krankheit im Normalfall insbesondere bei Kleinkindern und Schulkindern harmlos verläuft. Umgekehrt ist es möglich, sich beim Arzt auf Immunität testen zu lassen, also zu überprüfen, ob Sie bereits Ringelröteln hatten und dauerhaft immun sind oder nicht.

 

7. Wie die Diagnose gestellt wird

Bild: Blut abnehmen

Mit einem Bluttest lassen sich Antikörper im Blut und somit die Erkrankung nachweisen.

Die Diagnose erfolgt über den typischen Hautausschlag, sofern er überhaupt sichtbar ist. Anhand der Rötungen im Gesicht sowie an Armen und Beinen kann der Arzt Ihre Vermutung als aufmerksame Eltern durch eine Untersuchung der Haut bestätigen. Eine letzte Bestätigung bringt ein Bluttest, der jedoch bei Kindern regelmäßig entbehrlich ist. Im Blut lassen sich spezifische Antikörper mit der fachlichen Bezeichnung Anti-B19-IgM nachweisen, die bei dieser Erkrankung frühestens ab dem zehnten Tag auftreten. Die Antikörper sind auch noch Jahre nach einer bereits durchlebten Ringelrötelnerkrankung nachweisbar.

Wichtig ist der Bluttest vor allem für bereits schwangere Frauen in den ersten Schwangerschaftswochen und für solche, die schwanger werden möchten. Eine Infektion mit Ringelröteln ist ein Risiko für das ungeborene Kind, weshalb dessen Gesundheit während der Schwangerschaft sehr genau überwacht werden sollte. Messwert ist die Konzentration des sogenannten Alpha-Fetoproteins (AFP). Dabei handelt es sich um eine Eiweißverbindung, die beim ungeborenen Fetus vor allem in der Leber, im Magen-Darm-Trakt und im Dottersack hergestellt wird. Mit Hilfe der AFP-Werte in Kombination mit Ultraschalluntersuchungen lassen sich mögliche Schäden frühzeitig diagnostizieren, die ein angemessenes Reagieren ermöglichen.

 

8. Wie Sie Ihrem Kind während der Erkrankung helfen können

Ebenso wie es keine Impfung oder andere vorbeugende Maßnahmen gegen Ringelröteln gibt, gibt es auch keine spezielle Form der Behandlung. Allerdings können Sie das Wohlbefinden Ihres Kindes durch einige Verhaltensregeln unterstützen, mit denen Sie auf die direkten Auswirkungen der Erkrankung einwirken können. Da bei Ringelröteln vor allem die Haut betroffen ist, benötigt diese nach der Erkrankung mehr Pflege, beispielsweise durch häufigeres Eincremen. Sofern die Erkrankung bei Ihrem Kind mit Fieber einhergeht, können Sie ihm nach Rücksprache mit dem Kinderarzt ein fiebersenkendes Mittel verabreichen.
Sinnvoller und vor allem frei von Nebenwirkungen sind Wadenwickel. Dafür benötigen Sie zwei Tücher aus Baumwolle. Das erste Tuch tauchen Sie in handwarmes Wasser, wringen es aus und wickeln es direkt auf die Haut um den Unterschenkel. Darüber kommt zum Schutz ein zweites Baumwolltuch, das gegebenenfalls überschüssiges Wasser aufnimmt. Mit einem dritten, ebenfalls trockenen Tuch, beispielsweise aus Wolle oder Frottee, ummanteln Sie den Wadenwickel. Achten Sie bitte darauf, dass die Wadenwickel straff sitzen, damit sie eine fiebersenkende Wirkung entfalten können. Sofern Ihr Kind anfängt zu frieren, sollten Sie den Wickel unverzüglich entfernen. Bei Babys sind Wadenwickel meist nicht anwendbar. Hier kann es helfen, den kleinen Patienten mit handwarmem Wasser einmal kurz abzuwaschen. Ringelröteln können auch einen starken Juckreiz auslösen, was Ihr Kind zu intensivem Kratzen veranlasst. Linderung verschafft beispielsweise eine juckreizstillende Salbe oder Creme mit Zink. Unbedenklich sind auch das Verabreichen von juckreizstillenden Globulis oder auch einer Schüssler Salbe.

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Kimberly Kolmorgen

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ist Mama von zwei wunderbaren Kindern und unsere Expertin rund um die Themen Schwangerschaft und Geburt.

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Kimberly Kolmorgen

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