Scharlach bei Kindern: Die 12 wichtigsten Fakten, die man wissen sollte

Inhaltsverzeichnis:

 

1. Kurzüberblick:

Bild: Scharlach

Scharlach gehört neben Masern, Mumps und Röteln zu den typischen Kinderkrankheiten.

Scharlach ist neben Röteln und Mumps eine typische Kinderkrankheit. Halsschmerzen, Fieber und ein Hautausschlag sind die Hauptkennzeichen dieser ansteckenden Erkrankung. Am häufigsten sind Kinder zwischen 3 und 12 Jahren betroffen, doch auch Erwachsene können sich infizieren. Die auslösenden Bakterien sind Streptokokken. Sie werden durch Tröpfcheninfektion übertragen, also vor allem beim Niesen, beim Husten oder auch beim Sprechen.
Bei Verdacht auf Scharlach sollte immer der Arzt zu Rate gezogen werden. Eine vorbeugende Impfung zum Schutz vor Scharlach ist nicht möglich. Wird das kranke Kind nicht medizinisch behandelt, besteht die Gefahr von Komplikationen und von Risiken mit erheblichen Spätfolgen. Eine Medikation mit Antibiotika hingegen führt dazu, dass vom erkrankten Kind 48 Stunden nach der Ersteinnahme keine Ansteckungsgefahr mehr ausgeht. Außerdem grenzt sie die Risiken weitestgehend ein und sorgt für einen leichteren Verlauf.
Wenn Schwangere an Scharlach erkranken, nimmt das Kind im Mutterleib nach allen bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen keinen Schaden. Doch die Schwangere selbst sollte sich schnell medizinisch behandeln lassen, um Folgeschäden für ihre eigene Gesundheit zu vermeiden.
Die Erkrankung ist heute wesentlich seltener und verläuft viel leichter als noch vor 50 Jahren. Vor allem die schnelle und zuverlässige Behandlungsmöglichkeit mit Penicillin hat dazu beigetragen, dass die Krankheit ihren Schrecken weitestgehend verloren hat.

 

2. Was ist Scharlach?

Scharlach gehört zu den Krankheiten, die durch eine Infektion verursacht werden. Bestimmte Bakterien, Streptokokken genannt, lösen die Erkrankung aus. In den Monaten Oktober bis März liegt der jahreszeitliche Erkrankungsgipfel, in dieser Zeit stecken sich viele Kinder an.
Es gibt verschiedene Arten von Streptokokken, die Scharlach auslösen können. Daher kann ein Mensch mehrmals erkranken. Eine einmalig durchgemachte Infektion hinterlässt also keine lebenslange Immunität, was bei vielen anderen Kinderkrankheiten der Fall ist.

 

3. 16 Krankheitsanzeichen, an denen Sie Scharlach erkennen können

Bild: Fieber messen

Fieber, das schnell ansteigt ist eins der 16 Krankheitsanzeichen bei Scharlach.

Folgende Krankheitssymptome sind möglich, sie entstehen aber nicht immer. Die Symptomatik ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Es gibt durchaus auch sehr leichte Verläufe mit nur zwei oder drei dieser Symptome. Im Allgemeinen beginnt die Krankheit sehr plötzlich.

  • Als erste Krankheitsanzeichen treten meist Halsschmerzen auf.
  • Dazu gehören starke quälende Beschwerden beim Schlucken.
  • Es können zusätzlich Bauchschmerzen und Unwohlsein auftauchen.
  • Meist kommt Fieber dazu, das schnell ansteigt und auch Schüttelfrost auslösen kann.
  • Die Mundschleimhaut schwillt an.
  • Der Rachen ist gerötet.
  • Es erscheint Eiter auf den Mandeln, oft als gelb-weiße Eiterpunkte zu beobachten.
  • Dazu kommt meist starker und unangenehmer Mundgeruch.
  • Die Lymphknoten seitlich am Hals unter dem Kieferwinkel schwellen an und schmerzen bei jeder Berührung.
  • Auf der Zunge bildet sich ein weißer Belag, der sich etwa ab dem 3. oder 4. Krankheitstag rötlich färbt, sodass sich die so genannte Himbeerzunge zeigt.
  • Die Zungenbläschen vergrößern sich durch Schwellung
  • Zwei bis drei Tage nach den ersten Krankheitsanzeichen entwickelt sich der typische Ausschlag. Am Anfang stehen kleine Rötungen in den Achselhöhlen und in der Leistengegend. Die feinstfleckige Rötung breitet sich nach und nach auf den gesamten Körper aus. Sie ist rau und sieht samtartig aus.
  • Die Wangen sind stark gerötet und lassen die Region um den Mund und die Nase blass wirken.
  • Die Ausschlagssymptomatik dauert drei bis fünf Tage. Danach verliert sich der Ausschlag wieder. Die Haut schält sich nach einer Zeit von ein bis drei Wochen. Diese sich lösenden Hautschuppen erinnert an Kleie. Die Schuppung spielt sich in erster Linie an Handtellern und Fußsohlen ab.
  • Der Ausschlag selbst verursacht keinen Juckreiz, doch in der Phase der Schuppung juckt die Haut stark.
  • Schnupfen und Ohrenentzündung können dazukommen, generell sind grippale Symptome bei Scharlach üblich.

Alle 16 Krankheitsanzeichen im Überblick

Halssschmerzen
Schluckbeschwerden
Bauchschmerzen
Fieber
Angeschwollene Mundschleimhaut
Geröteter Rachen
Eitrige Mandeln
Mundgeruch
Angeschwollene Lymphknoten
Himbeerzunge
Angeschwollene Zungenbläschen
Ausschlag
Gerötete Wangen
Schuppung der Haut
Juckreiz
Schnupfen & Ohrenentzündung

 

4. Wie wird die Krankheit übertragen?

Bild: Mann beim Niesen

Die Scharlach-Bakterien werden beim Husten oder Niesen durch Tröpfcheninfektion übertragen.

Streptokokken sind Bakterien, die im Allgemeinen durch Tröpfcheninfektion übertragen werden. Beim Niesen, beim Husten und beim Sprechen gelangen sie direkt vom Überträger zum Infizierten. In manchen Fällen spielt auch eine Schmierinfektion eine Rolle, beispielsweise durch gemeinsam benütztes Geschirr. Kinder im Vorschul- und im Grundschulalter sind am häufigsten von einer der Ansteckung betroffen, vor allem während der Wintermonate.
Streptokokken sind widerstandsfähige Bakterien und können auch außerhalb des Körpers noch einige Zeit überleben, auch auf Gegenständen wie beispielsweise auf Spielzeug. Daher ist Scharlach verhältnismäßig ansteckend. Man geht davon aus, dass ein erkranktes Kind etwa die Hälfte seiner Geschwister anstecken wird.

 

5. Wie lange dauert die Inkubationszeit?

Bild: Kind nimmt Antibiotikum

Falls keine Behandlung mit Antibiotikum erfolgt, ist das Kind noch 3-4 Wochen ansteckend.

Die Zeit zwischen der Ansteckung und dem Ausbruch der Krankheit dauert im Allgemeinen zwei bis vier Tage, sie kann auch bis zu 8 Tagen dauern. Nach den ersten Krankheitszeichen ist der Erkrankte noch drei bis vier Wochen lang ansteckend für andere, falls keine Antibiotika-Behandlung erfolgt. Bei einem komplizierten Verlauf kann die Ansteckungsgefahr sogar noch Wochen bis Monate andauern. Wenn das erkrankte Kind jedoch eine Medikation mit Antibiotika erhält, besteht bereits zwei Tage nach Beginn der Einnahme keine Gefahr der Ansteckung mehr.

 

6. Wie erfolgt die Diagnosestellung?

Bild: Junge beim Kinderarzt

Um eine Scharlacherkrankung festzustellen, nimmt der Arzt einen Abstrich aus dem Rachenraum.

Es empfiehlt sich dringend, bei Verdacht auf Scharlach sofort ärztliche Hilfe zu suchen. Der Arzt stellt seinen Befund aufgrund der Symptome und des Gesamteindrucks des Patienten. Außerdem kann ein Abstrich aus dem Rachenraum entnommen werden. Damit lassen sich per Laboruntersuchung die auslösenden Streptokokken nachweisen, falls wirklich Scharlach vorliegt. Durch eine Blutuntersuchung ist es außerdem möglich, Antikörper gegen Streptokokken im Blut zu diagnostizieren.
Erkrankungen mit ähnlicher und manchmal fast identischer Symptomatik sind Masern und Röteln. Auch ein toxisches Exanthem, also ein Hautausschlag beispielsweise aufgrund einer Unverträglichkeit bestimmter Medikamente kann dem typischen Ausschlag bei einer Scharlacherkrankung ähneln.

 

7. Wie wird Scharlach behandelt?

Bild: Tablet mit der chemischen Strukturformel von Penicillin

Bei der Behandlung von Scharlach kommt meist Penicillin zum Einsatz.

In der Regel kommt bei der Behandlung von Scharlach Penicillin zum Einsatz. Sollte das Kind unter einer Penicillin-Unverträglichkeit leiden, kann ein anderes Antibiotikum gewählt werden. Die verschriebene Arznei muss mehrere Tage lang konsequent eingenommen werden, in der Regel geht man von 10 Tagen aus. Andernfalls besteht die Gefahr eines Rückfalls. Die Behandlung mit einem Antibiotikum ist deshalb die Vorgehensweise der Wahl, weil sonst Komplikationen und Folgekrankheiten entstehen können.
Solange das Fieber andauert, ist konstante Bettruhe wichtig. Fiebersenkende Maßnahmen wie beispielsweise Wadenwickel oder Zäpfchen sollten als Erleichterung und als Milderung der Symptome eingesetzt werden.

 

8. Welche Komplikationen sind möglich?

Bild: Abszess der Rachenmandeln

In schlimmen Fällen kann es zu einem Abszess der Rachenmandeln kommen.

Wenn ein Kind bei Scharlach nicht oder nicht lange genug mit Antibiotika versorgt wird, bestehen ernsthafte Risiken für die Gesundheit. Es können zum einen Komplikationen auftreten, wie zum Beispiel eine schmerzhafte Lymphdrüsenschwellung am Kiefer, eine Mittelohrentzündung oder eine Nebenhöhlenentzündung. Auch ein Abszess der Rachenmandeln kann sich entwickeln. Bei einem schwerem Verlauf der Scharlacherkrankung kann es in sehr seltenen Fällen auch zu einer Lungen-, Nieren-, Gelenk- oder Herzklappenentzündung kommen.
Die Folge dieser Komplikationen können Dauerschäden sein, wie zum Beispiel rheumatisches Fieber oder Organschädigungen, die sich chronifizieren können und das Kind ein Leben lang begleiten werden.
Damit nach einer Erkrankung mit Scharlach diese Risiken ausgeschlossen werden können, ist es unbedingt erforderlich, dass Sie Ihr Kind etwa 4 Wochen, nachdem die Erkrankung abgeklungen ist, nochmals zur Kontrolle bei Ihrem Hausarzt oder bei Ihrem Kinderarzt vorstellen.

 

9. Wie sieht die Prognose im Allgemeinen aus?

In der Regel verläuft die Krankheit gutartig und ohne weitere Komplikationen. Meistens überstehen Kinder die Scharlacherkrankung spätestens nach einer Woche. Wenn das Kind schon zu Beginn der ersten Symptome mit Antibiotika behandelt wird, tritt der typische Ausschlag auf der Haut oft nur kurz auf und verschwindet schnell wieder. Mit einer Penicillin-/Antibiotika-Behandlung sinkt das Risiko von Folgeerkrankungen nach Scharlach gravierend.

 

10. Gibt es vorbeugende Maßnahmen?

Eine vorsorgliche Impfung ist nicht möglich.
Die einzige Prophylaxe wäre es, den Kontaktpersonen des Erkrankten auch 10 Tage lang eine Penicillin-Behandlung zu verordnen, falls sie auffallende Symptome wie Fieber und Halsschmerzen haben und falls eine positive A-Streptokokken-Kultur nachgewiesen wurde.
Um zu vermeiden, dass Ihr Kind andere ansteckt, sollten Sie dafür Sorge tragen, dass in den ersten 48 Stunden der antibiotischen Therapie kein Kontakt zu anderen Kindern besteht.
Geschwisterkinder sind ansteckungsgefährdet. Eine lediglich vorsorgliche Behandlung mit Antibiotika wird allerdings nicht empfohlen. Sollte der Verdacht einer Erkrankung bestehen, kann der Arzt mithilfe eines Rachenabstrichs feststellen, ob das Geschwisterkind mit den Streptokokken infiziert ist. Dann erst empfiehlt sich eine Behandlung.

Bild: Hände waschen

Um Scharlach vorzubeugen, sollte man öfter am Tag mit Seife Hände waschen.

Folgende 6 grundsätzliche Hygieneregeln sind ratsam:

  • Waschen Sie sich häufig die Hände, mindestens 10 – 15 Sekunden lang, besonders vor dem Essen oder vor der Essenszubereitung
  • Verwenden Sie Sterillium, Seifenspender und Einmalhandtücher
  • Benutzen Sie Einmaltaschentücher und entsorgen Sie diese sofort nach Verwendung möglichst luftdicht verpackt
  • Spülen Sie Ihr Geschirr bei mindestens 60 Grad oder im Geschirrspüler
  • Tauschen Sie nach der Erkrankung die Zahnbürsten Ihres Kindes gegen neue aus
  • Vermeiden Sie Tröpfcheninfektion beim Husten, Niesen etc.

 

11. 6 wichtige Tipps für Sie als Eltern:

Bild: Wadenwickel für krankes Kind

Eine gute Methode, um das Fieber zu senken, sind Wadenwickel.

  • Wenn sich bei Ihrem Kind Halsschmerzen, Fieber und ein Hautausschlag zeigen, sollten Sie sofort Ihren Arzt zu Rate ziehen.
  • Bei Fieber gehört Ihr Kind ins Bett.
  • Lauwarme Getränke und weiche Speisen, wie zum Beispiel Suppe oder Brei, helfen beim Schlucken und lindern den Schmerz.
  • Ihr Kind sollte viel Flüssigkeit zu sich nehmen. Bieten Sie ihm viel Tee, Saft und Suppe an.
  • Senken Sie das Fieber, falls es über 39 Grad steigt, mit Wadenwickeln oder mit fiebersenkenden Medikamenten.
  • Ihr Kind kann frühestens eine Woche, nachdem das Fieber abgeklungen ist, wieder in die Schule oder in den Kindergarten gehen. Soviel Zeit braucht es, damit sich das Immunsystem wieder aufbaut und genügend gestärkt ist.

 

12. Was bedeutet eine Scharlacherkrankung der Mutter in der Schwangerschaft und in der Stillzeit?

Wenn Sie sich in der Schwangerschaft mit Scharlach anstecken, nimmt Ihr ungeborenes Kind dadurch keinen Schaden. Auch nach zahlreichen Untersuchungen ergeben sich keinerlei Hinweise darauf, dass ein Kind im Mutterleib durch eine mütterliche Scharlacherkrankung geschädigt wird. Doch wenn sich bei der Mutter durch eine unbehandelte Infektion Komplikationen ergeben, beispielsweise Herz-, Nierenentzündungen oder Abszesse im Rachenbereich, könnte das Kind indirekt darunter leiden. Daher ist es für Schwangere sehr wichtig, beim geringsten Verdacht auf Scharlach den Arzt aufzusuchen. Eine Behandlung mit Penicillin ist auch während der Schwangerschaft möglich.
Dass sich das Kind bei der Mutter ansteckt, kommt selten vor, denn die im Mutterleib gebildeten Antikörper gegen die verursachenden Bakterien erhält das Baby auch über den gemeinsamen Blutkreislauf. Sie können auch mit Scharlach Ihr Kind stillen, natürlich ist es wichtig, vorsorglich Hygienemaßnahmen wie Mundschutz und Händesterilisation zu beachten, solange Sie selbst ansteckend sind.

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Kimberly Kolmorgen

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ist Mama von zwei wunderbaren Kindern und unsere Expertin rund um die Themen Schwangerschaft und Geburt.

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Kimberly Kolmorgen

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