Scharlach: So helfen Sie Ihrem Kind!

Scharlach: So helfen Sie Ihrem Kind!

Viele kennen Scharlach noch aus eigenen Kindertagen. Bis heute gehört diese Krankheit zu den häufigsten Infektionskrankheiten. Obwohl es bei uns, dank moderner Behandlungsmethoden und Antibiotika, kaum noch Todesfälle gibt, ist Scharlach nicht zu unterschätzen. Wird er zu spät erkannt oder unzureichend behandelt, drohen Komplikationen und Körperschäden.

Vor Scharlach ist niemand gefeit

Scharlach ist eine Infektionskrankheit, an der laut Robert-Koch-Institut jährlich 1 bis 1,5 Millionen Menschen erkranken. Betroffen sind überwiegend Kinder im Alter von 4 bis 12 Jahren. Die Infektion wurde im 9. Jahrhundert in unsere Breitengrade eingeschleppt und war früher gefürchtet. Gab es doch noch keine Antibiotika und nicht selten, verlief die Krankheit tödlich. Das hat sich zum Glück geändert, dennoch ist Vorsicht geboten! Erstens ist niemand vor Scharlach gefeit, es kann sogar Erwachsene treffen. Zweitens muss man die Infektion gründlich auskurieren, um Folgeerkrankungen weitgehend auszuschließen. Eine wirksame Schutzimpfung gibt es nicht.

Typisch: Himbeerzunge und rote Flecken

Erkennbar wird Scharlach bei hohem Fieber, begleitet von Schüttelfrost und Erbrechen

Erkennbar wird Scharlach bei hohem Fieber, begleitet von Schüttelfrost und Erbrechen

Erkennbar wird Scharlach bei hohem Fieber, begleitet von Schüttelfrost und Erbrechen
Verursacht wird Scharlach durch A-Streptokokken, kugelförmig in Ketten aneinandergereihte Bakterien. Sie sind toxisch und dringen über Schleimhäute in den menschlichen Organismus. Erst nach 2 bis 4 Tagen, der Inkubationszeit, bricht die Krankheit offen aus. Das Heimtückische: Bereits in dieser Phase kann ein Kind andere anstecken! Erkennbar wird Scharlach erst, entsteht hohes Fieber, begleitet von Schüttelfrost und Erbrechen. Der Rachen färbt sich rot und die Lymphknoten am Hals verdicken. Manchmal klagen betroffene Kinder über Bauch- und Kopfschmerzen.

Wenig später schwellen Gaumenmandeln an und weiße Flecken werden sichtbar. Die Zunge weist zunächst einen weißen Belag auf, der sich allerdings bald auflöst. Danach ist die typische „Himbeerzunge“ zu sehen – rot glänzend mit Knospen. Außen übersäen zudem rote Flecken die gesamte Haut, ausgenommen den Bereich um Mund und Kinn. Er wirkt im Vergleich blass. Der Volksmund bezeichnet ihn darum als „Milchbart“.

Nach und nach verschwinden diese Symptome und 1 bis 3 Wochen später schuppen dann Finger sowie Zehenspitzen, bisweilen auch Fußsohlen und Handflächen.

Komplikationen und Folgekrankheiten vermeiden

Kinderärztin

Mit Scharlach sofort zum Arzt! So können Sie u.a. Folgeerkrankungen vermeiden.

Tückisch, sogar lebensbedrohlich, geht Scharlach mit einer Blutvergiftung, dem Streptokokken-Toxic-Shock-Syndrome, einher. Ebenso kann begleitend eine Mittelohr-, Nasennebenhöhlen- oder Lungenentzündung dem Patienten zu schaffen machen. Beobachtung und Kontrolle sollten nach einer überstandenen Scharlacherkrankung deshalb nicht vernachlässigt werden.

Als Folgeerkrankung tritt in manchen Fällen nach 4 bis 6 Wochen eine Glomerulonephritis (Entzündung der Nierenkörperchen) ein – später oft Ursache für eine Niereninsuffizienz. Außerdem warnen Ärzte vor dem entzündlichen Streptokokkenrheumatismus, einem Krankheitsbild, das zu Herz- und Gehirnschäden führen kann. Hierbei handelt es sich um ein immunologisches Leiden, hervorgerufen von den gegen Scharlach gebildeten Antikörpern. Darüber hinaus wird vermutet, dass verschiedene neuropsychiatrische Erkrankungen, wie das PANDAS- als auch das Tourettesyndrom, ihren Ursprung im Scharlach haben.

Verdacht auf Scharlach – sofort zum Arzt

Bemerken Sie bei Ihrem Kind eines der charakteristischen Anzeichen für eine Scharlachinfektion, nehmen Sie bitte sofort telefonisch Kontakt zum Arzt auf! Das ist erforderlich, weil der Arzt selber entscheiden muss, ob er Sie in seine Praxis kommen lässt oder einen Hausbesuch vorzieht. Die Ansteckungsgefahr ist hoch. Scharlach wird entweder mittels Tröpfchen- oder Schmierinfektion übertragen. Das heißt, die Streptokokken gelangen von Mensch zu Mensch via Atemweg in den Organismus. Andererseits auch über die Haut durch einen Kontakt mit infizierten Personen bzw. Gegenständen. Bedenken Sie: Selbst als nicht erkrankter könnten Sie Bakterien ohne Wissen weiterreichen. Somit sind natürlich Arztpraxen, Kindergärten und Schulen ideale Orte, Scharlach zu verbreiten.

Ob Ihr Kind Scharlach hat, entscheidet ein Schnelltest. Ist er negativ, nimmt der Arzt in der Regel noch einen Abstrich an den Mandeln und begutachtet die Bakterien unterm Mikroskop.

Sollte Ihr Kind mit A-Streptokokken infiziert sein – keine Panik! Scharlach wird heute erfolgreich mit Antibiotika behandelt. Ihr Kind erhält Penicillin und schon nach rund 48 Stunden ist die Ansteckungsgefahr gebannt. Nimmt die Erkrankung einen leichten Verlauf, kann der kleine Patient schon nach wenigen Tagen wieder am öffentlichen Leben teilnehmen. Doch Vorsicht: Nach einer einzigen Spritze ist Ihr Kind noch lange nicht gesund. Die Therapie muss über 10 Tage fortgesetzt werden, ansonsten drohen genannte Komplikationen oder Folgekrankheiten. Bei schwerem Verlauf mit deutlichem Ausschlag sowie starkem Fieber ist zwingend Bettruhe angesagt. Sie müssen die Behandlung zu Hause fortführen.

Viel trinken, Ruhe und Schlaf helfen

Zuhause ist Bettruhe angesagt!

Zuhause ist Bettruhe angesagt!

Zu Hause können Sie selber vieles tun, die Symptome der Krankheit zu lindern. Wichtig, dass Sie den Raum ausreichend lüften und für die nötige Feuchtigkeit sorgen. Stellen Sie am besten einen Luftbefeuchter hinein oder legen in der Winterzeit ein nasses Handtuch auf die Heizung. Die Schleimhäute dürfen nicht austrocknen, sonst hätten es Bakterien allzu leicht, im Körper weiter ihr Unwesen zu treiben. Geben Sie deshalb Ihrem Kind reichlich zu trinken! Auch wenn es nicht richtig mag, reden Sie ihm gut zu. Verabreichen Sie idealerweise Kräutertee, Saft oder einfach nur Wasser, selbstverständlich alles ohne Zucker!

Sicher fällt es schwer, vor allem kleinere Kinder immer im Bett zu halten. Es ist darum nicht schlimm, lassen Sie einmal Ihr Kind für gewisse Zeit im Zimmer spielen. Es darf sich jedoch nicht übermäßig anstrengen. Sorgen Sie also stets für die nötige Ruhe und ausreichenden Schlaf. Gerade den braucht der kleine Körper, um seine Abwehrkräfte zu mobilisieren.

Alte Hausmittel – noch heute bewährt

Die Liste der Hausmittel bei Scharlach ist lang und hat sich teilweise seit Jahrhunderten bewährt.

Gegen den naturgemäß bei Scharlach auftretenden Halsschmerz hilft zum Beispiel gurgeln. 3 bis 4 Mal täglich ½ Teelöffel Salz in einem Glas aufgelöst, bzw. Salbei oder Kamille aufgekocht, lindern Halsweh erheblich. Desgleichen nutzen Kompressen aus Quark. Statt Quark können Sie auch Zitronenscheiben mit Zwiebeln zusammen in ein Tuch geben und Ihrem Kind um den Hals wickeln.

Übrigens macht sich auch das Schlürfen von Hühnersuppe gut. Sie enthält Zink und Eisen, wirkt deswegen entzündungshemmend und desinfiziert Mund und Rachen.

Das hohe Fieber senken Sie wirksam mit kühlen Wadenwickeln. Alternativ sind Essigsocken empfehlenswert. Geben Sie dazu 5 Esslöffel Essig in 1 Liter Wasser, tränken darin Baumwollsocken und ziehen diese über die Füße Ihres kranken Kindes. Darüber ein paar trockene Socken und fertig!

Alles in allem brauchen Sie nur ein wenig Geduld! Dank schnellen Handelns und Ihrer Pflege wird es Ihrem Kind schon bald wieder besser gehen. Die Zeiten, in denen Scharlach Angst und Schrecken verbreitete, sind längst vorbei!

Bildquellen:
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Klara

Über 

Klara ist Dipl.-Pädagogin und unsere Expertin für Babys und Kleinkinder.

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Klara

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