Schielen: Ursachen, Formen und Therapie

Schielen: Ursachen, Formen und Therapie

Mit dem Begriff Schielen wird eine Fehlstellung des Auges oder von beiden Augen bezeichnet. Hierbei befinden sich die Augen nicht in einer normalen Stellung, sondern weichen voneinander ab. Das Schielen bei Babys ist ein Anzeichen dafür, dass sich das Auge noch in der Ausbildung der Sehstärke befindet. Das Auge bei einem Kleinkind muss erst lernen, dass es einen Punkt fixieren kann. Es kommt oft vor, dass Kleinkinder schielen. Die Fehlstellung der Augen ist kein Grund zur Panik. Mit den bekannten Therapieformen lässt sich die Fehlstellung gut korrigieren. Hier gilt: Besuchen Sie regelmäßig mit Ihrem Kleinkind einen Augenarzt, um das Schielen zu erkennen und um eventuelle Folgeschäden zu vermeiden. Es gibt Formen des Schielens, die dauerhaft anhalten und später beim Kind große Folgeschäden verursachen können. Regelmäßige Kontrollen beim Augenarzt sind daher sehr wichtig.

Verschiedene Arten des Schielens

Schielen kann in der Regel mit einer Brille therapiert werden.

Schielen kann in der Regel mit einer Brille therapiert werden.

Von einem einseitigen (monolateralen) Schielen spricht man, wenn immer dasselbe Auge schielt. Außerdem ist die Sehschärfe vermindert und die Beweglichkeit der Augen kaum vorhanden. Sind beide Augen vom Schielen betroffen, also befinden sich beide Augen in einer Fehlstellung nennt man die Art des Schielens wechselseitiges (alternierendes) Schielen. Es gibt noch weitere Formen des Schielens, die nur der Augenarzt diagnostizieren kann.

Latentes Schielen:

Das latente Schielen wird auch verstecktes Schielen oder Heterophorie genannt. Beim latenten Schielen ist eine Unterbrechung vom beidäugigen Sehen festzustellen. Im Normalfall kann das versteckte Schielen ohne weitere Beschwerden behandelt werden, sodass die Augen wieder in Normalstellung gelangen. Ein anderer Name für die Heterophorie ist Normophorie, der durch die beschwerdefreie Behandlung entstanden ist. Die Normophorie ist eine geringe Abweichung der idealen Stellung der Augen. Diese Normophorie tritt bei etwa 70 Prozent der Menschheit auf. Wenn die Fehlstellung der Augen nur eine geringe Abweichung ausmacht und zudem keine Beschwerden hervorruft, ist in der Regel keine Behandlung erforderlich. Mit dem Begriff Orthophorie bezeichnet man die Idealstellung beider Augen zueinander. Die Sehachsen befinden sich bei der Othophorie in einem exakten Gleichgewicht, das jedoch nur selten vorkommt.

Manifestes Schielen:

Das manifeste Schielen wird auch Heterotropie genannt. Es ist eine dauerhafte Abweichung eines Auges von der Idealstellung. Die ständige Abweichung betrifft die gemeinsame Blickrichtung der Augen. Das manifeste Schielen ist leicht zu erkennen, das sich ein Auge in einer dauerhaften Fehlstellung befindet. Das schielende Auge begibt sich ständig in eine andere Richtung, als das in der Normalstellung befindliche Auge. Die Richtungen können hierbei beliebig anders sein. Beim einen ist die Augenstellung nach außen hin geneigt und bei einer anderen Person kann sich das Auge nach innen richten. Diese Schielrichtungen verfügen natürlich auch über eine lateinische Bezeichnung und lauten wie folgt:

Esophorie:

Bei der Esophorie zeigt ein Auge oder auch beide Augen zur Innenseite der Augenhöhlung.

Exophorie:

Bei der Exophorie richten sich ein oder beide Augen nach außen, also in Richtung Schläfe.

Hyperphorie:

Bei der Hyperphorie zeigt ebenso ein oder beide Augen in Richtung Stirn also nach oben.

Hypophorie:

Bei der Hypophorie zeigen die Augen oder das schielende Auge nach unten.

Zyklophorie:

Bei der Zyklophorie gibt es ein so genanntes Verrollungsschielen. Beim Verrollungsschielen rollen die Augen entweder nach außen (Exzyklophorie) oder nach innen (Inzyklophorie).

Die Kombinationsmöglichkeiten in welcher Form die Fehlstellung der Augen auftritt sind überaus vielfältig und können bei jedem Einzelnen in einer anderen Kombination oder auch einzeln auftreten.

Die Symptome des Schielens

Das Schielen bringt jede Menge unangenehme Symptome mit sich. Kopfschmerzen, verschwommenes Sehen und sogar doppeltes Sehen sind keine Seltenheit bei einer Fehlstellung der Augen. Tränende und juckende Augen sowie ein Spannungsgefühl im Bereich der Augen und des Kopfes machen es fast unmöglich den Alltag ohne Hindernisse zu meistern. Zudem ist die visuelle Belastbarkeit enorm herabgesetzt, welches besonders beim Nahsehen spürbar ist. Die meisten Patienten mit einer Fehlstellung der Augen, klagen ebenfalls über eine erhöhte Lichtempfindlichkeit, Schwindel, Reizbarkeit, schiefe Kopfhaltung, ungeschickte Bewegungsabläufe, Leseunlust und vor allem über einen stark ausgeprägten Konzentrationsmangel.

Die Ursachen des Schielens

Manifestes oder latentes Schielen ist nicht nur in der angeborenen Form vertreten. Das Schielen kann auch plötzlich auftreten aufgrund von Kinderkrankheiten. Stress, Übermüdung, seelische Anspannungen, Vergiftung, Folge von Unfällen (Gehirnerschütterung), Linsentrübung, Netzhautablösung und hohes Fieber können eine Fehlstellung der Augen verursachen. Das Kind versucht darüber hinaus diese Fehlstellung auszugleichen und kämpft zunächst mit Koordinationsstörungen. Diese Anstrengung ist so enorm das Augenschmerzen, Doppelbilder und Konzentrationsstörungen entstehen können. Eine weitere Ursache von latentem Schielen kann durch eine visuelle Belastung entstehen. Diese visuelle Belastung entsteht zum Beispiel bei längerem Fernsehen oder bei arbeiten oder spielen am PC.

Schädigungen von einer nicht angeborenen Fehlstellung der Augen

Eine Form des manifesten Schielens ist das Mikroschielen oder auch Mikrostabismus genannt. Diese Art des Schielens ist sehr gering ausgeprägt und für die Eltern kaum zu erkennen. Die Fehlstellung ist hierbei etwas nach innen gerichtet. Dennoch ist die Fehlstellung groß genug um Schäden zu verursachen. Das räumliche Sehen wird durch die Fehlstellung gestört und kann nicht ausgebildet werden. Die Folge davon ist, dass das schielende Auge unter einer Schwachsichtigkeit leidet.

Begleitschielen zählt ebenfalls zum manifesten Schielen. Hierbei ist das Schielen des Auges sichtbar. Betroffen können hierbei jedoch auch beide Augen sein. Die Beweglichkeit von dem schielenden Auge ist nicht beeinträchtigt und kann dem gesunden Auge, ganz gleich, in welche Blickrichtung es sieht, folgen.

Lähmungsschielen bedeutet, dass eine Lähmung der Augenmuskeln vorliegt. Hierbei kann nur ein Muskel oder auch mehrere Muskeln gelähmt sein. Beide Augen bewegen sich unterschiedlich und immer in die Richtung, in der sich der gelähmte Muskel befindet. In dieser Form des Schielens kommt es ebenfalls zu Doppelbildern und eventuellen Kopfschmerzen. Das schielende Auge kann sich außerdem nicht mehr in alle Richtungen bewegen und ist daher sehr eingeschränkt. Die Ursachen liegen beim Lähmungsschielen in Entzündungen, Durchblutungsstörungen. Schlaganfall oder es wurde durch einen Tumor verursacht.

Wie wird die Fehlstellung behandelt?

Die Fehlstellung der Augen kann man durch eine >Brillenkorrektur therapieren. Da die Brille auf die Sehschärfe der Augen wirkt, wird das sehschwache Auge unterstützt. Die Sehachsen werden bei der Verwendung der Brille soweit beeinflusst, dass ein Sehen von Doppelbildern verhindert wird. Es kann auch vorkommen, dass die Brille die Fehlstellung der Augen korrigiert.

Eine weitere Therapieform ist eine Pflaster- oder Okklusionsbehandlung. Der Begriff Okklusion bedeutet Verschluss. Die Therapieform wird beim monolateralen Schielen angewandt. Hierbei wird das gesunde Auge durch ein Pflaster verschlossen, damit es am Sehen gehindert wird. Das schielende und sehschwache Auge muss sich von nun an mehr anstrengen und kann dadurch gestärkt werden. Das gesunde Auge wird deshalb verdeckt, da es das schielende Auge ständig unterdrückt. Wie lange die Therapieform angewandt werden muss, wird der Augenarzt durch regelmäßige Kontrollen festlegen.

Das Schielen kann auch operativ korrigiert werden. Diese Therapieform wird jedoch nur angewandt, wenn der Schielwinkel in einer großen Dimension vorhanden ist, dass jegliche alternativen Therapieformen versagen. Die Operation wirkt sich auf die Stellung der Augen zueinander, die Mechanik und die Beweglichkeit aus. Bei der Operation wird der Schielwinkel mit einer Muskelverkürzung oder Verlagerung verringert.

Bildquellen:
Bild 1: © Pezibear / Pixabay.com
Bild 2: © RondellMelling / Pixabay.com

Klara

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Klara ist Dipl.-Pädagogin und unsere Expertin für Babys und Kleinkinder.

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Klara

Klara ist Dipl.-Pädagogin und unsere Expertin für Babys und Kleinkinder.

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