Schwangerschaftsvergiftung: Gestose

Erkältung in der Schwangerschaft

Als Gestose werden Erkrankungen bezeichnet, die nur während einer Schwangerschaft auftreten. Die Krankheitsbilder können entweder durch die Schwangerschaft hervorgerufen werden oder sie gehen auf Erkrankungen zurück, die durch die größere Belastung des Organismus durch die Schwangerschaft verstärkt werden. Bis heute ist nicht geklärt, durch was eine Gestose verursacht wird.

Früher hieß es „Schwangerschaftsvergiftung“

Wurde ursprünglich bei einer Gestose vermutet, dass dabei der Körper vergiftet wird, weiß man heute, dass das nicht stimmt: Daher ist der frühere Name „Schwangerschaftsvergiftung“ für eine Gestose nicht mehr zutreffend. Je nachdem, wann die ersten Anzeichen auftreten, wird zwischen frühen und späten Gestosen unterschieden. Die weit verbreitete Übelkeit während der ersten Schwangerschaftsmonate zählt in ihrer mäßigen und in ihrer extremen Ausprägung zu den frühen Gestosen. Zu den späten Gestosen werden dagegen die Präeklampsie ebenso wie die Eklampsie, das HELLP-Syndrom und die Pfropfgestose gezählt.

Ursache der Gestose beziehungsweise Schwangerschaftsvergiftung

Die genauen Ursachen für eine Gestose sind bisher noch ungeklärt. Es wird vermutet, dass diese entsteht, wenn der mütterliche Organismus durch die Schwangerschaft einfach überlastet wird. Früher nahm man an, dass die Symptome der Schwangerschaftsvergiftung durch ein Gift hervorgerufen würden, welches der mütterliche Körper produziere. Doch inzwischen sind sich die Ärzte einig, dass diese Annahme falsch ist, auch wenn sie noch nicht wissen, durch welche Ursache eine Gestose hervorgerufen wird. Da die Symptome durchaus unterschiedlich sein können, wird die Erkrankung je nach Schwerpunkt entweder als EPH-Gestose, HES oder SIH bezeichnet. Eine EPH-Gestose hat die Hauptsymptome: Ödem (Edema), Ausscheidung von Eiweiß über den Urin (Proteinurie) und Bluthochdruck (Hypertonie), mit HES wird eine Hypertensive Erkrankung in der Schwangerschaft (hier erkrankt der Herzmuskel durch chronischen Bluthochdruck) bezeichnet und SIH ist die Bezeichnung für eine Schwangerschaftsinduzierte Hypertonie, das heißt, für einen deutlich erhöhtern arteriellen Blutdruck. In allen Fällen spielt ein erhöhter Blutdruck eine wichtige Rolle bei der Gestose, allerdings gibt es unterschiedliche Meinungen der Experten – manche halten den Bluthochdruck nur als Folge einer anderen Auswirkung. Inzwischen wird geforscht, ob für die Schwangerschaftsvergiftung ein bisher noch unbekannter Faktor existiert, der den mütterlichen Organismus nur unzureichend an die Schwangerschaft anpasst oder ob eine Fehlernährung der Mutter besteht. Für den Verdacht einer Fehlernährung spricht ebenfalls die Bezeichnung „Stoffwechselstörung in der Schwangerschaft“, mit der eine späte Gestose mit den typischen EPH-Symptomen ebenfalls manchmal bezeichnet wird.

Erkennung einer Schwangerschaftsvergiftung

In der Schwangerschaftsvorsorge wird auch auf die Symptome einer Schwangerschaftsvergiftung bei der Mutter geachtet: Neben den Herztönen des ungeborenen Kindes wird auch der Blutdruck und das Gewicht der Mutter kontrolliert, ebenso ihre Blut- und Urinwerte. Beträgt der Blutdruck mehr als 140 zu 90, wird mehr als 300 mg Eiweiß über den Harn innerhalb von 24 Stunden ausgeschieden und hat die Schwangere an den Händen, Füßen oder im Gesicht Ödeme, dann wird der Arzt achtsam. Damit der Arzt Komplikationen im Verlauf einer Schwangerschaft schnell feststellen kann, ist er auf die genaue Schilderung durch die Schwangere angewiesen. Gehört eine schwangere Frau einer Risikogruppe an, dann wird sie besonders sorgfältig überwacht. Zu dieser Risikogruppe gehört, wer bereits vor der Schwangerschaft einen hohen Blutdruck aufweist, Diabetikerin oder Nierenkrank ist. Auch besonders junge oder späte Erstgebärende sind gefährdet, ebenso wie Frauen, die Mehrlinge erwarten. Wichtig ist es, dass Sie regelmäßig die Termine beim Frauenarzt wahrnehmen – durch die Überwachung der Werte wird eine beginnende Gestose rechtzeitig erkannt. Oft reicht es bereits, wenn Sie einige Gewohnheiten umstellen und sich für den Rest der Schwangerschaft schonen.

Hinweise zur Vermeidung einer Schwangerschaftsvergiftung

Für eine Schwangere ist es besonders wichtig, dass sie sich ausgewogen, eiweißreich, mit genügend Kalorien und ausreichend gesalzen ernährt. Keinesfalls sollte eine Diät begonnen werden – diese tragen das Risiko einer Mangelernährung in sich – was zur Unterversorgung des Kindes führen kann. Ebenso sollten weder Obst- noch Reistage durchgeführt werden, noch entwässernde Tees, wie Brennnesseltee, getrunken werden.

Verlauf einer Schwangerschaftsvergiftung

Heutzutage sind Spätschäden bei den Kindern, deren Mütter an einer Gestose erkranken, nur selten zu erwarten. Das liegt daran, dass diese nicht nur früh erkannt, sondern auch entsprechend behandelt werden können. Die entsprechenden Werte werden bei den Vorsorgeuntersuchungen überprüft. Deswegen ist es wichtig, dass Sie diese auch regelmäßig wahrnehmen.

Frühgestosen

Morgenübelkeit (Emesis gravidarum)

Bild von schwangerer Frau

Morgenübelkeit zählt zu den Frühgestosen.

Wenn Sie an der Morgenübelkeit leiden, dann ist Ihnen besonders in den Morgenstunden übel und Sie müssen erbrechen. Zwischen 5 und 20 Prozent der Schwangeren sind hiervon betroffen. In den meisten Fällen lässt die Morgenübelkeit nach der 12. Schwangerschaftswoche nach.

Hyperemesis gravidarum

Dies ist eine gesteigerte Form der Morgenübelkeit. Sie tritt nur bei etwa 2 Prozent der Schwangeren auf und ist durch unstillbares Erbrechen gekennzeichnet. Weil der Körper hierbei viel Flüssigkeit und Elektrolyt verliert, kann diese Übelkeit zur ernsthaften Bedrohung werden.

Spätgestosen

Bluthochdruck

Steigt der Blutdruck über 140/90 mmHg, dann wird er zu Bluthochdruck. Dieser sorgt für engere Blutgefäße und somit für eine verminderte Durchblutung der Plazenta.

Proteinurie

Wird mehr als 300 mg Eiweiß in einem Liter Urin ausgeschieden, dann ist die Funktion der Nieren gestört.

Ödeme

Einlagerungen von Flüssigkeiten im Gewebe werden Ödeme genannt und treten im letzten Schwangerschaftsdrittel bei fast allen Schwangeren auf. Ödeme sind erst in der Kombination mit anderen Symptomen, wie Proteinurie und Hypertonie ein Anzeichen für eine Schwangerschaftsvergiftung.

Präeklampsie

Hier tritt ein zu hoher Blutdruck gemeinsam mit einer erhöhten Eiweißausscheidung über den Urin auf. In den meisten Fällen leiden die Schwangeren auch unter einer Einlagerung von Flüssigkeit im Gewebe. Nach der Geburt sind die akuten Beschwerden oft innerhalb weniger Tage vorbei. Nach vier bis sechs Wochen sind auch Blutdruck und Eiweißausscheidung im Urin wieder normal.

Eklampsie

Die Eklampsie ist eine schwere Form der Präeklampsie, die lebensbedrohlich wird. Hierbei besteht die Gefahr von Krampfanfällen und neurologischen Störungen: Ein sofortiger Krankenhausaufenthalt ist notwendig. Möglich sind Komplikationen wie: Hirnödem, akutes Nierenversagen, Netzhautschäden, Thrombosen, Blutungen und Plazentainsuffizienz. Bei einer Eklampsie ist das Leben von Mutter und Kind gleichermaßen bedroht.

HELLP-Syndrom

Dieses Syndrom ist neben der Eklampsie eine der schwersten Formen der Schwangerschaftsvergiftung: Die Funktion der Leber ist gestört. Übelkeit und Erbrechen, verbunden mit einem heftigen Schmerz im Oberbauch und eventuell Durchfall sind die Hauptsymptome für das HELLP-Syndrom, welches innerhalb nur einer Stunde voll ausgeprägt sein kann. Nur Laboruntersuchungen können einen Aufschluss darüber geben, ob das HELLP-Syndrom vorliegt. Diese Form der Schwangerschaftsvergiftung kann auftreten, ohne dass vorher Präeklampsie-Symptome vorliegen. Im Normalfall verschwinden die Symptome wenige Tage nach Geburt des Kindes. Ist das HELLP-Syndrom besonders schwer ausgeprägt, wird die Schwangerschaft oft durch einen Kaiserschnitt beendet.

Pfropfgestose

Von dieser Gestose wird dann gesprochen, wenn Symptome wie Bluthochdruck oder Nierenkrankheit bereits vor der Schwangerschaft bestehen und dann weitere Symptome hinzukommen, sich „aufpfropfen“.

Therapie einer Schwangerschaftsvergiftung

Beschwerden in der Schwangerschaft

Bei leichten Gestosen hilft Schonung und viel Ruhe!

Weil die Ursachen der Schwangerschaftsvergiftung noch ungeklärt sind, können lediglich die Symptome behandelt werden. Tritt die Gestose nur leicht auf, reicht es, wenn Sie sich körperlich schonen und viel ruhen. Manchmal verordnet der Arzt blutdrucksenkende Medikamente. Bessert sich das Befinden nicht, ist es besser, wenn die weitere Behandlung im Krankenhaus erfolgt: Hier lassen sich alle Werte von Mutter und Kind ständig überwachen und bei Bedarf sofort behandeln.

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Klara

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Klara ist Dipl.-Pädagogin und unsere Expertin für Babys und Kleinkinder.

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Klara

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