Spracherwerb – Wie Sie ihr Kind unterstützen

Spracherwerb - Wie Sie ihr Kind unterstützen

Um einem Sprachdefizit vorzubeugen, ist die Mithilfe der Eltern gefragt. Die Sprachentwicklung findet bereits im Mutterleib statt und sollte ständig gefördert werden. So verhindern sie Spätentwicklungen wie das „Late Talken“ oder Sprachstörungen wie Stottern oder Lispeln. Sollte das Kind zu wenig sprachliche Förderung erhalten, helfen im Ernstfall nur noch Logopäden (Sprecherzieher) oder Pädaudiologen (in Verbindung mit der Phoniatrie zuständige Ärzte für Stimm-, Sprach- und kindliche Hörstörungen), die diese Defizite in einer langwierigen Entwicklung beseitigen.

Frühe Sprachentwicklung

Mutter und Vater kuscheln mit Baby

Direkt nach der Geburt beginnt die kommunikative Interaktion mit Hilfe aller Sinne.

Der Spracherwerb bei Kindern lässt sich in unterschiedliche Phasen unterteilen[/caption]Bereits im Mutterleib verfügt das ungeborene Kind über mehr Phoneme (abstrakte Klasse aller Laute), als es später in der Sprache verwenden kann. So werden z. B. 70 Phoneme gemessen und unsere deutsche Sprache hat typisch nur etwa 40 Phoneme. Direkt nach der Geburt beginnt die kommunikative Interaktion mithilfe aller Sinne. Ein Gespräch der Mutter mit dem Baby wird aufgenommen und durch das Hören die Sprache erlernt. So lernt das Kind zuerst den Aufbau der Muttersprache und deren Klang. Regelmäßig entstehende Laute werden bestimmten Dingen zugeordnet. So unterscheidet das Neugeborenen bereits schnell zwischen Kommunikation und rhythmisch-melodische Strukturen zu unterscheiden. Bereits im 6. bis 9. Monat können gewisse Laute der Muttersprache unterschieden werden. Ist die Sprache ängstlich, melodisch, schimpfend oder bittend, reagiert das Baby unterschiedlich auf diese Laute. Zwischen dem 11. und 13. Lebensmonat entstehen erste Wörter, diese Wörter werden so wiedergegeben, wie das Kind die Lautsprache hört. Etwa Mitte des 2. Lebensjahres werden Assoziationen in der Sprache aufgebaut. Nun weiß das Kind, was ein Auto ist, und wird dieses auch titulieren. Es werden aber auch andere Gegenstände, die das Kind mit dem Auto assoziiert so benannt, wie etwa Reifen, die Autotür, etc. Zwischen dem 18. und 20. Lebensmonat beginnt das Kind, bedeutungsstabile Wort-Objekte zuzuordnen. Dialoge zwischen den Eltern werden nachgeahmt. Zwischen dem 20. und 24. Lebensmonat werden Wünsche und Fragen geäußert. Dies geschieht häufig in ganzen, kurzen Sätzen unter Verwendung von Prädikat und Subjekt. Dialoge werden umfangreicher – das Kind beginnt zu erzählen. Zwischen dem 36. und 40. Lebensmonat hat das Kind die elementaren, grammatikalischen Grundstrukturen des Satzes erkannt und gibt diese weiter. Durch den unermesslichen Wissensdrang entstehen die ersten Warum-Fragen. Nun liegt es an den Eltern, den Spracherwerb des Kindes zu unterstützen.

Unterstützung der Eltern beim Spracherwerb

Fremdsprachen werden später ganz anders erlernt, als die Muttersprache im Kleinkindalter.

Fremdsprachen werden später ganz anders erlernt, als die Muttersprache im Kleinkindalter.

Der Spracherwerb ist eine Lernphase des Kindes und zählt zu den Forschungsgegenständen der Linguistik, Entwicklungspsychologie und der Didaktik. Der Spracherwerb kann auch Sprachentwicklung oder Sprachbildung genannt werden. Dieser Erwerb findet in der Regel durch die alltäglichen sozialen Kontakte statt und bezieht sich auf die Muttersprache. Zuerst mit den Eltern und Geschwistern, dann mit den Verwandten und zuletzt mit den außerhäuslichen Kontakten (Freunde, Kindergarten, Schule). So werden beim Spracherwerb unbewusst komplizierte und implizierte Vorgänge beim täglichen Umgang erlernt. Fremdsprachen werden hingegen beim Spracherwerb explizit, bewusst und gesteuert erlernt. Wird die Muttersprache ohne Lehrplan oder gezielten Unterricht erlernt, müssen bei den Fremdsprachen Pläne und Unterricht herhalten. Aber selbst die Muttersprache lernt es nicht von selbst, sondern muss gefördert werden. So ist es wichtig, mit dem Kind von Anfang an, also schon im Säuglingsalter, besser noch vor der Geburt, viel und oft deutlich zu reden. Als passive Vorstufe vom Spracherwerb sind die Eltern die wichtigste Stufe im Leben eines Kindes.

Defizite bei den Kindern

In der letzten Zeit fallen bestimmte Defizite bei den Kindern vermehrt auf. Dies hat unterschiedliche Ursachen beim Spracherwerb des Kindes. Häufig fehlt den Eltern die nötige Zeit, um sich um das Kind zu kümmern. Besonders im Vorschulalter werden folgende Defizite erkannt:

  • keine korrekte Satzbildung
  • Konzentrationsstörungen beim Zuhören
  • keine deutliche und laute Aussprache des Kindes
  • Sachzusammenhänge können nicht in Worte gekleidet werden
  • die einfachsten Erklärungen und Arbeitsanweisungen werden nicht verstanden
  • die einfachsten Begriffe fehlen im Wortschatz, so ist dieser eher gering
  • die Merkfähigkeit ist unterentwickelt, oft können keine Sätze nachgesprochen werden
  • im Wortschatz fehlen, Gedichte, Reime, Kinderverse.
Durch Vorlesen kann die Motivation zum Spracherwerb bereits im Säuglingsalter gesteigert werden.

Durch Vorlesen kann die Motivation zum Spracherwerb bereits im Säuglingsalter gesteigert werden.

Die meisten Ursachen einer Fehlentwicklung beim Spracherwerb liegen eindeutig bei den Eltern. Aussagen wie: „Das versteht das Kind doch noch gar nicht!“ Hört man immer wieder und diese Aussagen sind eindeutig der falsche Weg. Denn nur durch die sprachliche Zuwendung von Anfang an kann das Kind zum Sprechen motiviert werden. Motivation kann z. B. durch das Vorlesen von Geschichten bereits im Säuglingsalter erfolgen. Hierbei muss die Sprachentwicklung jedoch im sozialen Kontakt erfolgen, ein Hörbuch erfüllt diesen Zweck nur bedingt. Der emotionale Bezug, der Ansporn selber zu sprechen und der soziale Kontakt sind dann nicht gegeben, wenn der Gegenüber fehlt. Nur durch das Hören erkennt das Kind Laute und verschiedene Stimmungen. Das Gehörte wird dann „nachgeplappert“, die Vorstufe zum richtigen Sprechen ist gegeben. Die Eltern sind gefordert, ihr Kind nicht nur im religiösen und sozialkritischen Sinne zu erziehen, sondern auch die Grundbausteine für den späteren Spracherwerb zu legen. Hierzu eignen sich besonders gut Geschichten und Reime, denn sie fördern den Wortschatz. Die wichtigste Lernphase ist hier das Alter zwischen 2 und 3 Jahren, denn dann lernen die Kinder die meisten Objekte mit Wörtern zu belegen. Wird hier der Spracherwerb nicht gefördert, entstehen entscheidende Sprachdefizite, die nur durch einen späteren Unterricht wettgemacht werden können.

Das Richtige zu tun ist einfach

Spaziergänge in der Natur können helfen, den Wortschatz ihres Kindes zu erweitern.

Spaziergänge in der Natur können helfen, den Wortschatz ihres Kindes zu erweitern.

Die Unterstützung der Eltern beim Spracherwerb ist denkbar einfach. Eine laute und deutliche Artikulation der verschiedenen Objekte unter Einbeziehung der jeweiligen Stimmung ist bereits im Säuglingsalter nützlich. Gesang, Reime und kleine Geschichten, werden zwar nicht im wörtlichen Sinne erkannt, jedoch die Lautsprache dadurch erlernt. Wenn das Kind älter ist, sollten Sie aus dem Zubettgehen ein Ritual machen und eine fortlaufende Geschichte erzählen. Diese Geschichte muss altersgerecht und kann frei erfunden oder vorgelesen werden. Hierbei hört das Kind die gesprochenen Worte, verfolgt die Geschichte und muss sie sich merken, damit es am nächsten Abend den „Faden nicht verliert“. Der Wortschatz und die Merkfähigkeit werden hierdurch gesteigert. Tagsüber erfolgt der Spracherwerb eher zufällig in Gesprächen oder bei Meinungsäußerungen. Den Wortschatz des Kindes erweitern können Sie, wenn Sie mit Ihrem Kind andere Menschen besuchen oder in die Natur gehen. Dort lernt das Kind Wörter, die es zu Hause nicht gibt und kann andere Bezüge zu den Objekten aufbauen. Das Wachstum der Sprache ist natürlich altersbedingt und sollte nicht übermäßig vorangetrieben werden, jedoch können Eltern gute Bedingungen zum Wachstum der Sprache beisteuern. Entwicklung wie auch Umwelterfahrungen sind die Nahrung und die sichere und ermutigende Entwicklung des Kindes ist das Klima der Pflanze: Spracherwerb. So entsteht ein sozial mitdenkendes und zum Erfahrungsaustausch fähiges Kind, welches in Kindergarten und Schule noch zusätzliche Förderung erhält. Eine positive, kindgerechte und fröhliche Atmosphäre ist für den Spracherwerb unerlässlich. Die Sprachentwicklung ist ein wichtiger Teil der Gesamtentwicklung des Kindes.

So ermöglichen Sie Ihrem Kind den Zugang zu mehr Lebensqualität und besseren Bildungschancen für die Zukunft.

Bildquellen:
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Klara

Über 

Klara ist Dipl.-Pädagogin und unsere Expertin für Babys und Kleinkinder.

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Klara

Klara ist Dipl.-Pädagogin und unsere Expertin für Babys und Kleinkinder.

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