Windpocken bei Kindern: 9 wichtige Fakten über Windpocken

Inhaltsverzeichnis:

 

1. Windpocken

Bild: Baby mit Windpocken

Windpocken sind eine ansteckende Kinderkrankheit und fast 90 % erkranken daran

Bei Windpocken (Varizellen) handelt es sich um eine weit verbreitete Kinderkrankheit, die durch das zur Herpesgruppe gehörende Varizella-Zoster-Virus hervorgerufen wird. Fast 90 % aller Kinder erkranken bis zu ihrem 14. Lebensjahr an Windpocken. Bis auf seltene Ausnahmen gewähren sie dafür jedoch eine lebenslange Immunität. Zweiterkrankungen sind sehr selten und betreffen lediglich 1 % – 2 % der bereits einmal an Windpocken erkrankten Kinder. Dennoch können nach erfolgter Heilung die Viren im Körper bis ins hohe Alter hinein verbleiben und im Erwachsenenalter als Gürtelrose (Herpes Zoster) ausbrechen.

Im Englischen werden Windpocken als Chicken Pox bezeichnet. Dieser tierische Name ist auf die optische Ähnlichkeit der blasenförmigen Papelnbildung mit der Haut von Hühnern zurück zu führen. Trotz allem bleiben Windpocken allein den Menschen vorbehalten.

 

2. Windpocken und ihre Übertragung

Bild: Windpocken

Windpocken sind kleine Blasen, die nach einer gewissen Zeit platzen

Windpocken sind eine hoch ansteckende, ausschließlich humanpathogene Infektionskrankheit. Ihre Übertragung geschieht vielerorts durch Tröpfcheninfektion beim Husten und Niesen. Die Hauptansteckungsgefahr geht jedoch von den Effloreszenzen selbst, also den krankhaften Hautveränderungen, aus. Sobald die für Windpocken typischen Bläschen auf der Haut platzen, verbreiten sich ihre Viren rasch und machen auch vor großen Entfernungen keinen Halt. Eine Ansteckung von Kindern ist daher nur schwer zu vermeiden. Auch der ungeschützte, direkte Hautkontakt mit den Pocken ist ein sehr effektiver Ansteckungsherd.

Während der Krankheit und Inkubationszeit sollten Kinder daher so lange wie möglich auf den Besuch von Kindergärten und Schulen verzichten.

 

3. Auffällige Krankheitsanzeichen der Varizellen

Im Anfangsstadium wird meist ein leichter Krankheitsverlauf beobachtet mit nur geringem Fieber in den ersten zwei bis drei Krankheitstagen. Windpocken machen als Hautausschlag mit Bläschenbildung, auch Exanthem genannt, auf sich aufmerksam. Dieser zeigt sich am Körper, im Gesicht oder am Kopf. Gerne nutzt er als Eintrittspforte auch die Schleimhäute in der Nase und im Rachenraum. Leicht gerötete, erhabene Papeln bilden sich nacheinander an verschiedenen Stellen auf der Haut. Aus ihrer Mitte schießt ein wasserklares Bläschen auf, das nach einigen Stunden aufbrechen oder trocken verkrusten kann. Schubweise Hautveränderungen können bis zu 8 Tagen erfolgen und werden von starkem Juckreiz begleitet. Charakteristisch für Varizellen ist das Nebeneinander von alten, bereits eingetrockneten und frischen Effloreszenzen. Aufgrund ihrer Anordnung und unterschiedlichen Größe werden sie daher gerne auch als Sternenhimmel oder Sternenhimmelmuster bezeichnet.

Weniger häufig kommt es zu einer zentrifugalen Ausbreitung auf die Extremitäten, auch die Handinnenflächen bleiben in der Regel verschont.

 

4. Ausbruch der Erkrankung und ihre Inkubationszeit

Schon wenige Tage vor dem Auftreten des Hautausschlages sind Varizellen außerordentlich ansteckend. Hat sich ein Kind infiziert, können zwei, ja gar bis zu vier Wochen bis zum Krankheitsausbruch vergehen. Selbst nach sichtbarer Heilung, wenn die Bläschen sich bereits zurückgebildet haben, ist für weitere 7 Tage eine Ansteckungsgefahr gegeben. Aus diesem Grunde beträgt die Inkubationszeit 2 – 3 Wochen.

 

5. Linderung und Heilung

Bild: Fieber messen

Als Mutter oder Vater eines erkrankten Kindes, sollte man immer wieder Fieber messen

Eine medizinische Behandlung, wie sie bei unzähligen anderen Krankheiten zum Tragen kommt, gibt es bei den Windpocken nicht. Der betroffene Körper nimmt sozusagen eine eigene, natürliche Heilung vor, wenngleich die für die Erkrankung verantwortlichen Viren sich noch lange in den Bereich der Nerven zurückziehen können. Selbst nach vielen Jahrzehnten kann es passieren, dass sie sich reaktivieren und bei vorwiegend älteren und immunschwachen Menschen als Gürtelrose auftreten. Auch hierbei handelt es sich um einen bläschenförmigen Hautausschlag, der sich wie ein Gürtel um nahezu allen Stellen des Körpers ziehen kann. Allerdings sind seine Auswirkungen im Erwachsenenalter sehr viel schlimmer und schmerzhafter als die Windpocken im Kindesalter.

In den meisten Fällen sind Windpocken aber nach einer Woche überstanden und die Effloreszenzen bilden sich von selbst zurück. Kontrollieren Sie dennoch regelmäßig die Körpertemperatur Ihres kranken Kindes und greifen Sie, falls erforderlich, zu Fieber senkenden Mitteln.

Auch Puder, die den Juckreiz stillen, bringen Erleichterung. Selbstverständlich ist bei einer Erkrankung Ihres Kindes immer der Arzt Ihres Vertrauens zu Rate zu ziehen. Wichtig ist ferner, da Sie mit Ihrem Kind ja tagtäglich in Berührung kommen, Ihre Hände mehrmals am Tag gründlich zu desinfizieren.

 

6. Häufigste Komplikationen

Bild: Atemwegserkrankung

Bei älteren Menschen kann es passieren, dass eine Atemwegserkrankung hinzukommt. Dann am Besten gleich zum Arzt gehen.

Eher selten, aber dennoch möglich, ist ein bakterieller Supergau. In solchen Fällen wird Ihr Kinderarzt härtere, medikamentöse Maßnahmen ergreifen und Ihnen beratend zur Seite stehen. Eine ärztliche Konsultation ist daher unausweichlich.

Bei Jugendlichen ist meist ein schwierigerer Krankheitsverlauf als bei Kleinkindern zu beobachten. Treten massivere Gesundheitsbeschwerden auf, manifestieren sie sich meist als Atemwegserkrankung und Lungenentzündung. Trotzdem sind auch neurologische Komplikationen keineswegs ausgeschlossen. Sie kommen zwar selten vor, können aber zu Hirnentzündungen und gegebenenfalls Bewusstlosigkeit führen.

 

7. Besondere Gefährdungen

Sehr bedrohlich sind Varizellen vor allem bei Kindern und jungen Menschen, die an Leukämie leiden. Ihr Immunsystem ist in den meisten Fällen schon stark angegriffen, so dass sie bei einer zusätzlichen Infektionserkrankung einer besonderen ärztlichen Hilfe bedürfen.

Auch bei neugeborenen Babys, die entweder kurz vor ihrer Geburt oder in ihren ersten 10 – 12 Lebenstagen mit dem hochinfektiösen Virus befallen wurden, kann die Krankheit besonders schwer mit Pneumonie oder einer Dissemination in den Organen verlaufen.

 

8. Ansteckung während einer Schwangerschaft

Erkranken Schwangere zwischen der 8. und 21. Schwangerschaftswoche an Varizellen, kann dies zum so genannten konnatralen Varizellen Syndrom führen. Im Allgemeinen können die Erreger während der gesamten Schwangerschaft über durch den Mutterkuchen auf den Embryo übertragen werden. Von Bedeutung ist dabei auch der Zeitpunkt, zu dem eine Ansteckung der Schwangeren erfolgte. So können durchaus Hautdefekte, Schädigungen des Nervensystems oder auch Augenerkrankungen am ungeborenen Kind auftreten.

Auch andere schwerwiegende Folgen wie Narbenbildungen und Fehlgeburten sind nicht auszuschließen. Allerdings kommen sie glücklicherweise eher selten vor.

Sehr gefährlich ist jedoch die Zeit kurz vor oder nach der Geburt des Säuglings. Ist die Mutter während dieser Zeit an Windpocken erkrankt, kann dies für das Kind zu einer lebensbedrohlichen Situation führen. Sein Abwehrsystem muss sich noch stabilisieren und kann diese Krankheit nur schwer verkraften. Leider beträgt die Sterberate dieser Neugeborenen fast ein Drittel.

 

9. Schutz vor der Erkrankung

Bild: Arzt impft ein kleines Baby

Um sich vor Windpocken zu schützen, kann jedes Kind ab dem 11. Lebensmonat geimpft werden

Schutzimpfungen sind für jedermann, speziell aber für Kinder, wichtig. Im Impfkalender, die Kinderärzte stets für ihre kleinen Patienten bereit halten, sind alle Impfungen aufgeführt, die in einem bestimmten Lebensalter absolut notwendig sind. Die Verwendung eines Impfpasses, in den der Arzt alle Schutzimpfungen und die dafür verwendeten Impfstoffe einträgt, erleichtert Eltern und Ärzten die regelmäßige Kontrolle der Nachimpfzeiten.

Seit 2004 wird die Varizellen-Impfung durch die Impfkommission empfohlen. Alle Kinder sollten daher ab dem 11. Lebensmonat gegen Windpocken geimpft werden. Die Impfung erfolgt in zwei Dosen und kann Ihnen und Ihrem Kind viele Unannehmlichkeiten ersparen.

Auch Kombinationsimpfungen zur Vorbeugung mehrerer Krankheiten sind möglich.

Sollten Sie dies im Kleinkindalter versäumt haben, gibt es auch später noch die Möglichkeit, bis zum Alter von 17 Jahren eine Impfung vornehmen zu lassen. Diese entfällt natürlich für alle die Menschen, die bereits einmal an Varizellen erkrankt waren und dadurch eine biologische Immunisierung genießen.
Aufgrund der Gefahren, die während einer Schwangerschaft durch eine Erkrankung an Windpocken bestehen, ist allen Frauen, die sich Kinder wünschen, eine entsprechende Impfung zu empfehlen.
Zum Schutz des ungeborenen Kindes werden solche Impfungen allerdings während einer Schwangerschaft nicht vorgenommen.

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Kimberly Kolmorgen

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ist Mama von zwei wunderbaren Kindern und unsere Expertin rund um die Themen Schwangerschaft und Geburt.

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Kimberly Kolmorgen

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