Alkohol in der Schwangerschaft

Pregnancy - pregnant woman health care

Der Konsum von Alkohol in der Schwangerschaft stellt in Deutschland die häufigste Ursache für Behinderungen von Neugeborenen dar. Generelle Grenzwerte existieren hierbei nicht, zumal bereits geringe Mengen davon irreversible Gesundheitsschäden verursachen können. Demnach sollten werdende Mütter während der Schwangerschaft gänzlich darauf verzichten.

Jeder Schluck erreicht das Kind ungehindert

Als Hauptsubstanz des Alkohols gelangt das Ethanol nach dem Trinken schnell aus dem Darm und dem Magen und dabei ins Blut. Weil das Kind seine Nährstoffe aus dem Blut bekommt, erhält der Alkohol über den Mutterkuchen und die Nabelschnur ungehindert Zugang zum Kreislauf des Embryos. Dieser Umstand wirkt sich auch deshalb so gravierend aus, weil das Kind im Gegensatz zu einem Erwachsenen kaum in der Lage ist, den Alkohol über die Leber abzubauen. Dies gelingt einem Baby im Vergleich zu einem ausgewachsenen Menschen zu 96% schlechter, zumal Leber und Nieren noch nicht voll ausgebildet sind. Ihr Baby ist somit der schädigenden Wirkung des Alkohols viel länger ausgesetzt als Sie selbst. Dabei ist der Alkoholwert im Blut der Mutter mit dem Ethanolgehalt im Fruchtwasser nahezu identisch. Demnach haben Mutter und Kind denselben Alkoholspiegel. Viele Mütter gehen fälschlicherweise davon aus, dass die Plazenta für den Fötus als Filter fungiert und eine Art Schutzsperre gegen die Auswirkungen eines exzessiven Lebenswandels darstellt. Vielmehr durchdringt das Ethanol die zarte Plazentaschicht ohne Schwierigkeiten. Lediglich der völlige Verzicht bietet für das Kind eine absolute Sicherheit.

Alkohol fördert Fehlbildungen

Jedes zweite Kind, dessen Mutter während der Schwangerschaft oft viel Alkohol getrunken hat, kommt körperlich oder geistig behindert zur Welt. Darüber hinaus fördert Alkohol in der Schwangerschaft eine spätere Alkoholabhängigkeit des Kindes. Im Unterschied zu erblich bedingten Behinderungen sind all diese Fälle durch den rigorosen Verzicht auf Alkohol vermeidbar. Diejenigen, die ein gelegentliches Schlückchen Alkohol für harmlos erachten, liegen mit ihrer Ansicht nachweislich falsch. So warnen Hebammen und Kinderärzte, dass bereits geringe Mengen dem Kind schaden. Das Problem liegt insbesondere darin, dass Alkohol und seine Abbauprodukte die Zellteilung hemmen, woraus eine Störung der Gehirn- und Organentwicklung resultieren kann. Alkohol ist ein Zellgift, zumal er anlässlich seiner Wasserlöslichkeit in sämtlichen Zellen gelangt. Dieses dringt bei Schwangeren auch in die Plazenta und somit ungehindert zum Kind. Da sich im Laufe der ersten drei Schwangerschaftsmonate die Organe bilden, kann der Einfluss des Alkohols zu Fehlbildungen führen. Nicht selten ist gerade das Gesicht betroffen, wo eine schmale Oberlippe, eine kaum ausgeprägte Rinne zwischen Lippe und Nase sowie kurze Lidspalte zu den typischen Merkmalen gehören. Weil das Gehirn über eine sehr lange Zeit das größte Organ des Neugeborenen ist, ist dieses am stärksten von etwaigen Schäden betroffen. Die Folge hieraus sind zumeist Intelligenzdefizite, welche in Abhängigkeit vom Alkoholkonsum der Mutter schwächer oder stärker ausgeprägt sind. Der Besuch eine Förderschule wird dann für viele Kinder aufgrund eines schlechten Gedächtnisses, Verhaltensstörungen, Lernschwierigkeiten, Hör- und Sprechstörungen und Konzentrationsschwächen unumgänglich. Im Extremfall kommt es auch zu Aggressivität, Autismus und Hyperaktivität. Diese Symptome treten dabei meist im Schulalter auf und werden dann als fetale Alkoholeffekte (FAE) bezeichnet. Werden Auffälligkeiten bemerkt, ist zwingend die Geschichte der Mutter näher zu beleuchten, um so etwaige Fehldiagnosen wie etwa ADHS zu vermeiden. Der Berliner Charité gab im Anschluss an einer Langzeituntersuchung bekannt, dass sieben von zehn Kindern selbst als Erwachsene nicht ohne eine Betreuung leben können. Dies hat zur Folge, dass 90% der Betroffenen später keiner geregelten Arbeit nachgehen können.

FAS und FASD als typische Krankheitsbilder

Die Erkenntnis, dass Alkohol dem heranwachsenden Embryo schadet, ist weit verbreitet. Dennoch verzichten laut Angaben der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. nur zwei von zehn schwangeren Frauen vollständig auf den Konsum von Alkohol. Die Folgen sind schwerwiegend: So kommen in Deutschland jedes Jahr rund 12.000 Kinder mit dem sogenannten fetalen Alkoholsyndrom (FAS) auf die Welt, bekannt auch als embryofetales Alkoholsyndrom, Alkoholfetopathie oder Alkoholembryopathie. Dieses Krankheitsbild zählt demnach zu den häufigsten angeborenen Erkrankungen. FAS ist in seinen Ausprägungen sehr vielfältig, so dass Kinder beispielsweise Schädigungen des zentralen Nervensystems einhergehend mit motorischen Störungen, Wachstumsstörungen, Herz-Kreislauf-Anomalien oder körperliche Fehlbildungen aufweisen können. Auch Herzschwäche und Nierenschäden können durch FAS hervorgerufen werden. Je nach Symptome werden insgesamt drei Ausprägungen unterschieden, aufsteigend nach Schwere:

  • Grad I: z.B. etwas verzögerte geistige Entwicklung, Untergewicht, vermindertes Wachstum
  • Grad II: z.B. kleiner Schädel und nervöses Verhalten (Hyperkinetik), flache Nasenwurzel, enge Lidspalten
  • Grad III: z.B. niedrige Überlebenschancen, Herzfehlbildungen, auffälliges Aussehen (vor allem Verformungen im Schädelbereich), verzögerte körperliche sowie geistige Entwicklung

Die Schäden durch FAS sind irreversibel und lassen sich auch nicht durch spezielle Therapien gänzlich heilen. So helfen Behandlungen wie Kinesiologie, Osteopathie, Bobath-Therapie, Hippotherapie, Musiktherapie, Motopädie, Schluck- und Sprachtherapie, Ergotherapie, Krankengymnastik oder Frühförderung nur sehr eingeschränkt.
Etwa 10.000 Neugeborene leiden hingegen unter einer sogenannten fetalen Alkoholspektrumsstörung (FASD), die für sich genommen zwar schlimm genug, jedoch weniger gravierend als FAS ist. Die Folgen können sein:

  • Schwere körperliche und geistige Behinderungen
  • Nervöses Verhalten
  • Auffälliges Aussehen
  • Verzögerte geistige Entwicklung
  • Minderwuchs

Was Sie konsumieren dürfen

Rückstände in Kuchen und Soßen sowie gegärte Lebensmittel wie Säfte und Sauerkraut sind für Schwangere kein Problem. Gleiches gilt für alkoholfreien Wein, Sekt und Bier, die sich gut als Alternative zu alkoholischen Getränken eignen. Schließlich dürfen diese hierzulande Alkoholrückstände von nicht mehr als 0,5 Prozent aufweisen. Sofern Sie erst kürzlich von Ihrer Schwangerschaft erfahren haben, sollten Sie einen etwaigen Alkoholkonsum umgehend Ihrem Arzt mitteilen. In den meisten Fällen besteht jedoch kein ernsthaftes Risiko für Ihr ungeborenes Kind.

Bildquelle: © Rafael Ben-Ari / fotolia.com

Kimberly Kolmorgen

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ist Mama von zwei wunderbaren Kindern und unsere Expertin rund um die Themen Schwangerschaft und Geburt.

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Kimberly Kolmorgen

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