Vor der Geburt: Baby in der Beckenendlage

Baby in der Beckenendlage: Was bedeutet das?

Kinder sind unberechenbar und teilweise auch recht eigenwillig; und das bereits vor der Geburt. So verweigern gut fünf Prozent der Babys schon im Mutterleib die Gefolgschaft. Anstatt den Kopf in Richtung Geburtskanal zu drehen, präsentieren sie sich als Vorzeigerebellen und verharren in Beckenendlage. Der Großteil der Gynäkologen raten bei der Beckenendlage dann auch schnell zum Kaiserschnitt. Eine von kanadischen Forschern im Jahr 2000 veröffentlichte Studie befindet den Kaiserschnitt dann auch als die diesbezüglich sicherste Variante. Heute, rund 15 Jahre später, werden die Ergebnisse dieser Studie arg angezweifelt. Auch wenn sich die meisten Ärzte immer noch auf die Resultate dieser Studie berufen, ist die Zahl der Gynäkologen deutlich gewachsen, die in einem solchen Fall den Kaiserschnitt als nicht kompromisslos ansehen. In vielen Fällen ist nämlich durchaus eine vaginale Geburt möglich.

Es gibt verschiedene Haltungsvariationen bei der Beckenendlage

Grundsätzlich handelt es sich bei einer Beckenendlage um eine für die Geburt untypische Kindslage, bei der das Beckenende und nicht der Kopf des ungeborenen Kindes voran geht. Der Kopf befindet sich am oberen Rand der Gebärmutter, während das Kind mit dem Kopf nach oben im Mutterleib liegt. Dabei sind verschiedene Haltungsvariationen möglich. Die Bandbreite reicht von der kompletten Steiß-Fuß-Lage, bei der beide Beine angehockt sind, über die Steißlage bis hin zu verschiedenen gemischten Formen rund um unterschiedliche Knielagen und Fußlagen sowie um verschiedene Beinstellungen. Mit einem Anteil von über 65 Prozent gilt die Steißlage, bei der jeweils nur ein Bein hochgeschlagen wird, als die häufigste Form der Beckenendlage.

Es besteht ein bestimmter genetischer Zusammenhang

In vielen Fällen ist ein genetischer Zusammenhang zwischen Erstgebärdung und der familiären Häufung von Beckenlagen bei der Geburt zu beobachten.

In vielen Fällen ist ein genetischer Zusammenhang zwischen Erstgebärdung und der familiären Häufung von Beckenlagen bei der Geburt zu beobachten.

Warum Ihr Kind eine derart ungewöhnliche Position vor der Geburt einnimmt, wissen die Gynäkologen nicht immer. Bei rund 50 Prozent der Fälle tappen die Ärzte im Hinblick auf die Ursache für die atypische Kindslage sprichwörtlich im Dunklen. In den anderen Fällen ist häufig ein genetischer Zusammenhang zwischen Erstgebärdung und der familiären Häufung von Beckenlagen bei der Geburt zu beobachten. Diese Beobachtung wird von einer norwegischen Studie aus dem Jahr 2000 unterstützt, die innerhalb umfassender Untersuchungen ein klares Zusammenspiel dieser beiden Faktoren nachweisen konnte. Demnach haben Männer bzw. Frauen, die als Beckenendlagenkind geboren wurden, mehr als doppelt so oft – im Vergleich zu in Schädellage geborene Eltern – dann auch selbst Beckenendlagenkinder.

Zahlreiche Faktoren begünstigen eine falsche Lage des ungeborenen Kindes

Auch die maßgeblichen kindlichen Faktoren für eine Position in Beckenendlage sind zu einem großen Teil identifiziert. So können die Frühgeburtlichkeit, Mehrlingsschwangerschaften, Missbildungen wie zum Beispiel Spina bifida, Nabelschnurumschlingungen oder auch Abweichungen von der regelrechten Kopfform als diesbezüglich hervor stechende exemplarische Beispiele benannt werden. Zudem kann die falsche Lage auch von einem Mangel an Fruchtwasser, einem Vorliegen oder einem tiefen Sitz der Plazenta sowie einer fehlenden Eigenspannung, beispielsweise bei einem so bezeichneten intrauterinen Fruchttod, herbei geführt werden. Aber auch als Mutter können Sie bestimmte Faktoren aufweisen, die eine atypische Lage Ihres Kindes im Mutterleib nach sich ziehen. Demnach ist die Gefahr einer Beckenendlage insbesondere bei bestimmten Formen von Genital-, Becken- oder Beckenendtumoren sowie bei Fehlbildungen der Gebärmutter vergleichsweise groß.

Studienergebnisse verbannen Steißgeburten aus dem Kreißsaal

Während aber vor einigen Jahrzehnten trotz dieser Faktoren bzw. der falschen eine Spontangeburt noch quasi an der Tagesordnung waren, änderte sich dies bereits kurz nach dem Millenium. Selbst vor 15 Jahren kamen Geburten aus der Beckenendlage noch vergleichsweise häufig vor. Mit der von den kanadischen Forschern im Jahr 2000 publizierten Studie, die Term Breech-Trial oder auch schlicht Hannah-Studie genannt wird, verschwanden dann aber die Steißgeburten nahezu vollständig aus dem Kreißsaal. Grund hierfür war das besorgniserregende und alarmierende Studienergebnis. Demnach war die Zahl der Geburten mit Komplikationen sowie der Todesfälle bei Steißlage der Ungeborenen wesentlich höher bei den Spontangeburten als bei den per Kaiserschnitt geholten Kindern.

Trotz Beckenendlage sind bei rund 70 Prozent der Fälle Spontangeburten möglich

Die werdende Mutter trifft letztlich die Entscheidung über den Geburtsweg.

Die werdende Mutter trifft letztlich die Entscheidung über den Geburtsweg.

Nur rund sechs Jahre später wurden die Ergebnisse der Studie dann schon wieder angezweifelt. Da Komplikationen und Todesfälle zu einem Großteil überhaupt nicht auf die Art der Entbindungen zurück geführt werden konnten, wiesen die Kritiker der Studie methodische Mängel nach. Laut des aktuellen Forschungsstands macht es für ein Kind in Beckenend- bzw. Steißlage nämlich keinerlei Unterschied, ob es per Kaiserschnitt oder vaginal zur Welt kommt. Trotzdem machen immer noch viele Eltern die Erfahrung, dass Frauenärzte bei einer Steißlage von der Spontangeburt abraten und einen Kaiserschnitt präferieren. Auch zahlreiche Kliniken verweisen immer noch auf die Hannah-Studie und auf die entsprechenden Geburtsrisiken. Davon sollten Sie sich aber nicht beirren lassen und allzu vorschnell einem Sectio caesarea (Kaiserschnitt) zustimmen. Denn bei rund 70 Prozent aller Fälle dieser Art ist eine Geburt auf klassischem Wege möglich. Allerdings sollten Sie darauf achten, dass es in der Klinik Ihrer Wahl auch einen Arzt gibt, der über Erfahrungen mit Entbindungen in Steißlage verfügt. Gibt es den aber nicht, ist der Kaiserschnitt laut der DGGG (Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe) immer noch die bessere Alternative. Die letztendliche Entscheidung über den Geburtsweg treffen letztendlich aber immer Sie als werdende Mutter.

Pro und Contra – die Kriterien für eine vaginale Geburt oder einen Kaiserschnitt

Dabei müssen Sie grundsätzlich verschiedene Faktoren bei Ihrer Entscheidung im Hinblick auf den Geburtsweg berücksichtigen. Folgende Kriterien sprechen für eine vaginale Geburt:

  • Ein Schwangerschaftsalter von über 34 Wochen.
  • Eine einfache Steißlage.
  • Nahezu normale Beckenmaße.
  • Keine anderen Erkrankungen von Kind und Mutter, die eine Schnittentbindung erforderlich machen.
  • Es wurde bereits ein Baby aus Beckenendlage geboren.

Demgegenüber sprechen folgende Kriterien für einen Kaiserschnitt:

  • Geschätztes Geburtsgewicht liegt über 3.500 Gramm.
  • Werdende Mutter ist älter und Erstgebärende.
  • Die Kopfhaltung des Kindes ist gestreckt.
  • Es liegt eine verzögerte (protrahierte) Eröffnungs- und Austreibungsperiode vor.
  • Es kommt zu einem vorzeitigem Blasensprung.
  • Es sind pathologische Herzfrequenzmuster, eine Plazentainsuffizienz, eine kindliche Wachstumsretardierung oder anderweitige Schwangerschaftserkrankungen zu beobachten.

Das Kind drehen: Von der äußeren Wendung bis hin zur Akupunktur

Es kommt auch Akupunktur zum Einsatz, um das Kind zu drehen. Die Wirksamkeit ist allerdings nicht bewiesen.

Es kommt auch Akupunktur zum Einsatz, um das Kind zu drehen. Die Wirksamkeit ist allerdings nicht bewiesen.

Es besteht bei einer Beckenendlage aber auch die Option, das Kind in die Schädellage zu bringen. So ist ab der 38. Schwangerschaftswoche die so bezeichnete äußere Wendung möglich. Dabei versucht der Geburtshelfer bzw. der jeweilige Facharzt durch bestimmte Griffe von außen den Fetus in die Schädellage zu drehen. Diese äußere Wendung kann allerdings Wehen auslösen; daher sollte sie grundsätzlich nur unter Kaiserschnitt-Bereitschaft vollzogen werden. Zudem ist diese Vorgehensweise nicht ungefährlich und offenbart mehrere Risiken. Es kann zum Beispiel zu einer vorzeitigen Plazentalösung, einer Nabelschnurkomplikation, vaginalen Blutungen oder sogar einerTotgeburt kommen. Neben der äußeren Wendung kommen teilweise auch die Moxibustion und die Akupunktur zum Einsatz, um das Kind in die Schädellage zu drehen. Bei der Moxibustion wird dabei eine aus Beifuß bestehende Kräuterzigarre über einer Akupunkturnadel abgebrannt. Durch die Wärme soll es dann zu verstärkten Kindsbewegungen kommen, die bestenfalls in einer Spontandrehung münden. Die Wirksamkeit dieser Methode ist allerdings bislang ebenso wenig bewiesen worden wie die von Akupuntur oder besonderen Körperhaltungen wie beispielsweise die Indische Brücke.

Bild 1: © mmphoto – Fotolia.com
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Bild 4: Model-Foto: Colourbox.de

Klara

Über 

Klara ist Dipl.-Pädagogin und unsere Expertin für Babys und Kleinkinder.

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Klara

Klara ist Dipl.-Pädagogin und unsere Expertin für Babys und Kleinkinder.

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