Der Dammschnitt

Dammschnitt

Jahrelang war der Dammschnitt ein heikles Thema, der manchen Schwangeren im Vorfeld einer Geburt große Sorgen machte. Kein Wunder, schließlich fackelten die Geburtshelfer nicht lange und führten den Schnitt in den meisten Fällen prompt durch. Die Zeiten haben sich geändert. Heute wird ein Schnitt dieser Art keinesfalls mehr inflationär genutzt. Nur wenn es medizinisch unausweichlich erscheint, rückt er nachhaltig in den Fokus. Außerdem gibt es Methoden, mit denen Sie Ihren Damm auf den Geburtsvorgang vorbereiten können.

Vom Standardeingriff zu einer sinnvollen Option bei bestimmten Situationen

Sie sollten grundsätzlich bei der Aufnahme in die Klinik bzw. ins Krankenhaus das Thema ansprechen und Ihre Wünsche und möglichen Bedenken den Geburtshelfern mitteilen. So tragen Sie dafür Sorge, dass ein entsprechender Schnitt wirklich nur dann durchgeführt wird, wenn es für das Baby bzw. für die Gesundheit des Babys von Vorteil ist. Sie als Schwangere haben quasi also immer das letzte Wort – sofern der Schnitt nicht medizinisch unausweichlich ist – und entscheiden, ob er durchgeführt werden soll oder eher nicht. Auch wenn vielen werdenden Müttern beim diesem Thema etwas mulmig wird, müssen Sie sich mit dieser Thematik intensiv befassen. In früheren Zeiten musste nahezu jede Erstgebärende diesen Eingriff über sich ergehen lassen. Es war zur damaligen Zeit ein reiner Routineeingriff, der einem etwaigen Dammriss vorbeugen sollte. wurde dieser Eingriff sogar bei fast jeder Erstgebärenden gemacht. Mit eben der präventiven Erweiterung der Scheidenöffnung wollten die Ärzte einerseits den Beckenboden entlasten und somit einer etwaig später auftretenden Blasenschwäche nachhaltig vorbeugen. Andererseits herrschte bei den Medizinern die Meinung vor, dass ein glatter Dammschnitt weitaus besser heilt und zudem ein unkontrollierter Dammriss auf diesem Wege verhindert werden kann. Die Hebammen zweifelten diese Argumentation allerdings schon immer an. Da sie vorzugsweise die Nachsorge bei Mutter und Kind übernehmen, erlebten sie immer wieder, dass der Dammschnitt die ihm zugeschriebenen Vorteile größtenteils nicht erfüllen konnte.

Wichtig: Intensive Beratung der Schwangeren seitens der Kliniken

Ärzte setzen jetzt auf Gespräche und eine intensive Beratung der Schwangeren.

Ärzte setzen jetzt auf Gespräche und eine intensive Beratung der Schwangeren.

Ihren Erkenntnissen bzw. Praxiserfahrungen nach heilen Dammschnitte nicht besser als Risse. Ganz im Gegenteil, oftmals kann hier sogar von einem schlechteren Heilungsprozess bzw. -verlauf ausgegangen werden. Dies liegt daran, dass bei Darmschnitten weitaus mehr Nerven, Blutgefäße und Muskeln durchtrennt werden als bei Rissen. Zudem reißen Darmschnitte oftmals weiter auf und vergrößern die Wunde beträchtlich. Dass die praxiserprobten Hebammen mit dieser Einschätzung richtig lagen, wurde mittlerweile durch themenspezifische Studien wissenschaftlich belegt bzw. bestätigt. Mittlerweile bewerten auch die Kliniken dieses Thema neu. Da, wo früher schnell zum Chirurgenbesteck gegriffen wurde, hat nun eine neue Zurückhaltung Einzug gehalten. Die Ärzte setzen jetzt auf Gespräche und eine intensive Beratung der Schwangeren. Wenn Sie dann im Endeffekt keinen Dammschnitt möchten und sogar einen möglichen Riss akzeptieren, verzichten die Ärzte mittlerweile dann auch konsequent auf einen Eingriff.

Wann genau ist ein Dammschnitt sinnvoll?

Allerdings sollten Sie sich jederzeit darüber im Klaren sein, dass es Situationen gibt, bei denen ein Schnitt in den Damm unausweichlich oder zumindest äußerst sinnvoll ist. Verschlechtert sich zum Beispiel das CTG (Cardiotocoraphy; Kardiotokografie), die Herztöne Ihres Kindes sinken ab und der Geburtsvorgang muss beschleunigt werden, ist ein Dammschnitt durchaus als sinnvoll zu betrachten. Auch wenn das Baby im Mutterleib noch nicht vollständig ausgereift ist, sollte vor der Geburt ein Dammschnitt vollführt werden; durch diese Maßnahme vermindert der Arzt den Druck auf den Kopf des Kindes während der Geburt. Des Weiteren ist ein Schnitt dieser Art zwingend notwendig, wenn sich bei der Geburt Ihres Kindes Komplikationen in der Form ergeben, dass die Glocke oder die Zange zum Einsatz kommen. Durch den Schnitt bekommen die Instrumente dann genügend Platz für vaginal-operative Entbindungen. Als notwendig erachtet wird ein entsprechender Schnitt auch , wenn das Baby eine Beckenendlage einnimmt und nicht mit dem Kopf, sondern mit dem Steiß voraus geboren wird. Wenn das Dammgewebe bei der Geburt zu reißen droht, greifen Ärzte ebenfalls schnell zum Chirurgenbesteck. Ein Dammschnitt ist also immer genau dann sinnvoll, wenn Ihr Baby feststeckt oder es vergleichsweise schnell gehen muss.

Unterscheidung zwischen einem medianen und einem mediolateralen Schnitt

Aus rein chirurgischer Sicht schneidet ein Dammschnitt in das Muskelgewebe zwischen After und Scheide. Dabei bewirkt der Schnitt eine Erweiterung des Scheidenausgangs, was die Geburt bzw. den Geburtsvorgang beschleunigen kann. Durchgeführt wird der chirurgische Schnitt in der Regel auf dem Höhepunkt einer Wehe während des Kopfdurchtritts. Dieser Zeitpunkt wird gewählt, da am Damm das Gewebe dann hochgradig gespannt ist. Der Arzt wendet dabei entweder den medianen Schnitt oder den mediolateralen Schnitt an. Bei der medianen Variante schneidet er – ausgehend von der Scheide in Richtung After- quasi in direkter Linie. Dieser Schnitt verursacht im Normalfall keinerlei Schmerzen; Sie spüren meist gar nichts von diesem Schnitt. Zudem handelt es sich bei dieser Variante um einen vergleichsweise kurzen Schnitt, der erfahrungsgemäß gut heilt. Allerdings birgt ein medianer Schnitt die Gefahr, dass während der Geburt der Schnitt noch weiter einreißt, was später wiederum zu entsprechenden Komplikationen führen kann. Benötigt das Baby bei der Geburt besonders viel Platz, wendet der Arzt dagegen den mediolateralen Schnitt an. Dieser wird leicht seitlich angesetzt (etwa 45 Grad Winkel), wobei der Schnitt meistens länger ausfällt als bei der medianen Variante. Ob medianer oder mediolateraler Schnitt: Nach der Geburt wird die Wunde wieder genäht. Trotz einer örtlichen Betäubung kann es bei diesem Vorgang etwas zwicken.

So verhalten Sie sich nach einem Dammschnitt richtig

In der Regel sollte Sie ein entsprechender Schnitt, aber auch Riss, nach rund drei Tagen nicht mehr weiter beeinträchtigen. Die Naht selbst benötigt etwa drei Wochen, um komplett zu verheilen. Allerdings sind hierbei mehrere Faktoren für die Dauer der Heilung relevant. So hängt der letztendliche Heilungsverlauf respektive die Heilungsdauer in erster Linie davon ab, wie groß sich die Wunde darstellt, wie gut der Geburtshelfer die Wunde vernäht hat und welches Material diesbezüglich eingesetzt wurde. Falls der Dammschnitt wider Erwarten schmerzt oder augenscheinlich schlecht verheilt, können Sie mit folgenden Tricks den Heilungsprozess zusätzlich positiv beeinflussen:

  • Die Naht muss trocken gehalten werden, damit sie besser heilt.
  • Die Naht benötigt für den Heilungsprozess Luft.
  • Pressen Sie auf keinen Fall beim Stuhlgang.
  • Gönnen Sie sich ein Sitzbad zum Beispiel mit Calendula. Allerdings sollten Sie es dabei nicht übertreiben; zwei Minuten reichen völlig aus, da ansonsten die Naht aufweichen könnte.
  • Verspüren Sie Schmerzen, können Sie sich zum Beispiel auf einen leicht aufgeblasenen Schwimmring oder ein weiches Kissen setzen. Das entlastet den Damm etwas.

Beugen Sie einem Dammschnitt oder einem Dammriss gezielt vor

Eine entspannte Geburtsposition hilft einem Dammschnitt oder Dammriss vorzubeugen.

Eine entspannte Geburtsposition hilft einem Dammschnitt oder Dammriss vorzubeugen. Eine hockende Stellung belastet das Gewebe nicht so stark.

Ob Sie einen Dammschnitt aus medizinischer Sicht bei der Geburt Ihres Kindes benötigen, ist im Grunde genommen nicht vorhersehbar; grundsätzlich haben Sie auf die Geschehnisse während der Entbindung nur begrenzt Einfluss. Um optimal vorbereitet zu sein, sollten Sie Ihren Damm aber schon im Vorfeld auf die Geburt quasi einstimmen und dafür sorgen, dass er dehnbar und weich ist. Als ein probates Mittel hat sich hier eine gezielte Dammmassage herauskristallisiert. Beginnen Sie daher rund sechs Wochen vor der Geburt mit einer entsprechenden Massage mit zum Beispiel Olivenöl, Johannisöl oder auch Weizenkeimöl. Regelmäßigkeit ist dabei Trumpf. Viele Ärzte empfehlen, den Damm zweimal pro Tag zu massieren, damit eine spürbare Dehnung erreicht werden kann. Sie können Ihren Damm aber auch mit einer Art Ballon, den Sie in jeder Apotheke erhalten, auf die Geburt vorbereiten. In den Wochen vor der Entbindung führen Sie diesen regelmäßig in die Scheide ein und pumpen ihn vorsichtig auf, so dass sich Gewebe und Muskeln im Dammbereich schrittweise dehnen. Diese Vorgehensweise soll eine ähnliche Wirkung wie bei der Dammmassage nach sich ziehen. Einige Geburtshelfer vertreten sogar die Auffassung, dass diese präventive Maßnahme einem Dammriss vorbeugt. Zudem sollten Sie bei der Geburt eine entspannte Position einnehmen, da dies ebenfalls den Damm schont. Verzichten Sie also gegebenenfalls auf die typische Rückenlage, da diese vergleichsweise problematisch für den Damm ist. Demgegenüber belastet beispielsweise eine hockende Stellung das Gewebe nicht so stark. Folge: Der Damm bleibt weitaus häufiger intakt.

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Klara

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Klara ist Dipl.-Pädagogin und unsere Expertin für Babys und Kleinkinder.

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Klara

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