Gewichtszunahme in der Schwangerschaft

Körper während der Schwangerschaft: Wie verändert er sich hinsichtlich Gewichtszunahmen und ist Sport ok?

In der Schwangerschaft passiert unweigerlich das, was jede Frau sonst eher fürchtet: Der Bauchumfang nimmt zu und der Zeiger auf der Waage schlägt nach rechts aus. Während dies für manche Frauen mit großen Sorgen verbunden ist, sind andere der Ansicht, nicht länger auf ihr Gewicht achten zu müssen. Dabei kann jedoch eine starke Gewichtszunahme in der Schwangerschaft Ihnen sowie Ihrem Kind schaden.

Anfangs hält sich die Gewichtszunahme in der Schwangerschaft noch in Grenzen

Im ersten Trimester (Schwangerschaftsdrittel), also etwa bis zur 12. Schwangerschaftswoche, wird Ihr Gewicht kaum steigen. Es ist gar möglich, dass Sie in den ersten Wochen sogar an Gewicht verlieren. Dies ist auf die erhebliche Hormonumstellung zurückzuführen. Aufgrund der Appetitlosigkeit, dem Erbrechen sowie der häufigen Übelkeit ist es für einige Frauen nahezu unmöglich sich normal zu ernähren, weshalb sie ungewollt abnehmen. Mit dem zweiten Trimester wird die Gewichtszunahme in der Schwangerschaft jedoch zunehmend spürbar. In dieser Zeit nehmen normalgewichtige Frauen rund 250 bis 400 Gramm pro Woche zu. Weil das Baby nun deutlich auf Wachstum programmiert ist, schlägt sich dieser Umstand immer stärker auf Ihr Gewicht aus. Im dritten Trimester erhöht sich das Gewicht wöchentlich um rund 400 bis 600 Gramm. Für zusätzliche Pfunde sorgen allerdings auch die steigende Fruchtwasser– und Blutmenge sowie die größer werdende Plazenta und Gebärmutter. Darüber hinaus setzt Ihr Körper bereits Fettpolster an. Diese brauchen Sie in der ersten Zeit nach der Geburt insbesondere zum Stillen.

Die Gewichtszunahme während der Schwangerschaft hat mehrere Gründe, u.a. werden Fettreserven gebildet, die Gebärmutter wird schwerer und Ihr Neugeborenes legt steitg zu.

Die Gewichtszunahme während der Schwangerschaft hat mehrere Gründe, u.a. werden Fettreserven gebildet, die Gebärmutter wird schwerer und Ihr Neugeborenes legt steitg zu.

In Zahlen ausgedrückt, kommt es aus folgenden Gründen zu einer Zunahme des Gewichts in der Schwangerschaft:

  • Ihr Baby kommt mit etwa 3.300 Gramm auf die Welt
  • Die Plazenta (Nachgeburt), welche im Mutterleib das Baby mit Nahrung versorgt, wiegt ungefähr 600 Gramm
  • Die Gebärmutter ist ca. 900 Gramm schwerer
  • Die Muskelschicht des Uterus nimmt im Laufe der Schwangerschaft deutlich zu, wobei Muskeln schwerer als das einfache Gewebe sind
  • Im Körper hat die zusätzliche Flüssigkeit ein Gewicht von etwa 2.600 Gramm
  • Das Blutvolumen nimmt um 1.200 Gramm zu
  • Ihre Brüste werden ungefähr 400 Gramm schwerer
  • Fettreserven von ca. 2.500 Gramm werden angesammelt

Die Gewichtszunahme in der Schwangerschaft wird sich demzufolge auf durchschnittlich 12 bis 14 Kilo belaufen. Ihre Gewichtszunahme in der Schwangerschaft im Überblick:

  • 1. Trimester: 1,5 bis 2 Kilogramm
  • 2. Trimester: 6 bis 8 Kilogramm
  • 3. Trimester: 4 bis 6 Kilogramm

Hierbei handelt es sich jedoch lediglich um Richtwerte, zumal sich das Gewicht bei jeder Frau je nach Ausgangsniveau unterschiedlich entwickelt. Der BMI (Body-Mass-Index) schafft eine Orientierung für die Gewichtszunahme. Hierzu hat das amerikanische Institut of Medicine den BMI aufgeschlüsselt:

BMI vor der Schwangerschaft 18,5 18,5 – 24,9 25 – 29,9 über 30
Ideale Gewichtszunahme 12,7 bis 18,1 11,3 bis 15,9 6,8 bis 11,3 max. 9
Wöchentl. Zunahme im 2. und 3. Trimester 0,5 0,5 0,27 0,23

Übermäßige Gewichtszunahme in der Schwangerschaft ist gefährlich

Um die Gewichtszunahme in Grenzen zu halten und Ihr Baby mit wichtigen Nährstoffen zu versorgen, greifen Sie am besten häufig zu Obst und Gemüse.

Um die Gewichtszunahme in Grenzen zu halten und Ihr Baby mit wichtigen Nährstoffen zu versorgen, greifen Sie am besten häufig zu Obst und Gemüse.

Eine Gewichtszunahme während der Schwangerschaft ist hormonell bedingt und erforderlich, um das Baby mit allen wichtigen Nährstoffen versorgen zu können. Allerdings sollten Sie in dieser Zeit verstärkt zu Gemüse und Obst und weniger zu Schokolade und Bratwürsten greifen. Denn eine zu starke Gewichtszunahme in der Schwangerschaft lässt das Risiko für Bluthochdruck sowie Diabetes empfindlich steigen. Darüber hinaus drohen Schwangeren, die deutlich fettleibig (adipös) oder übergewichtig sind, mehr Komplikationen bei der Geburt: Denn ihre meist größeren Babys haben es schwerer, später den Geburtskanal zu passieren. Auch das Neugeborene selbst sieht sich bei übermäßiger Gewichtszunahme in der Schwangerschaft einem höheren Risiko ausgesetzt, im Laufe seines Lebens an Diabetes oder Übergewicht zu erkranken. Schließlich hat sich das Baby durch die erhebliche Gewichtszunahme in der Schwangerschaft an eine hohe Nahrungsaufnahme gewöhnt. Obwohl Übergewicht nicht vererbbar ist, wird dieses Gesundheitsrisiko dennoch an die nächste Generation weitergegeben. Um die Gewichtszunahme im Zaum zu halten, ist aus den genannten Gründen gerade für übergewichtige Frauen eine Ernährungsberatung sinnvoll. Eine generelle Ernährungsberatung ist zwar Bestandteil der Vorsorgeuntersuchung, allerdings verfügen Hebammen und Gynäkologen oft nicht über die erforderliche Spezialausbildung oder haben nicht die Zeit, um Schwangere angemessen zu informieren. Viele Krankenkassen erklären sich auf Antrag bei Frauen mit hohem BMI zur Kostenübernahme bereit. Um die Zunahme des Körpergewichts nicht ausufern zu lassen und um sich gesund und fit zu halten, sollten Schwangere auch regelmäßig Sport treiben.

Sport in der Schwangerschaft hilft gegen Beschwerden und gibt Kraft

Regelmäßige Bewegung und Sport in der Schwangerschaft sind empfehlenswert für Mutter und Kind.

Regelmäßige Bewegung und Sport in der Schwangerschaft sind empfehlenswert für Mutter und Kind.

Die Ansicht, dass Sport in der Schwangerschaft ein Tabu wäre, ist längst passè. Wurde regelmäßige Bewegung für das ungeborene Leben lange Zeit als zu gefährlich eingeschätzt, wird inzwischen genau dies von Sportwissenschaftlern sowie Medizinern eindeutig empfohlen. Demnach müssen Sie sich als werdende Mutter weder schonen, noch mit dem Training aufhören. Voraussetzung für regelmäßigen Sport in der Schwangerschaftist lediglich, dass es sich in Ihrem Falle um keine Risikoschwangerschaft handelt und Sie von Ihrem behandelnden Arzt grünes Licht erhalten. Ansonsten gilt: Moderater Sport in der Schwangerschaft ist die beste Geburtsvorbereitung. Schließlich werden Atmung, Stoffwechsel, Herz-Kreislauf sowie der gesamte Bewegungsapparat in den 40 Wochen stark beansprucht. Durch regelmäßige Bewegung lassen sich Depressionen, Stress, Schwangerschaftdiabetes, Wassereinlagerungen sowie typische Rückenprobleme reduzieren oder gar ganz vermeiden. Häufigen Schwangerschaftsbeschwerden wie Hämorrhoiden, Wadenkrämpfe, Venenstau, Verstopfungen oder Müdigkeit können Sie durch Sport in der Schwangerschaft ebenfalls effektiv vorbeugen. Zudem wird es Ihnen leichter fallen, die empfohlene Gewichtszunahme in der Schwangerschaft von zehn bis vierzehn Kilogramm nicht zu überschreiten. Darüber hinaus verhilft Ihnen der Sport zu mehr Kondition und Kraft, wodurch Sie später die Geburt leichter überstehen können. Eine Studie des Psychologischen Instituts der Sporthochschule Köln kam zu dem Ergebnis, dass aktive Frauen im Rahmen der Geburt mit weniger Schmerzmittel auskamen. Regelmäßige Bewegung während der Schwangerschaftsmonate ist demnach eine ideale Vorbereitung auf die Geburt, kräftigt Bindegewebe sowie Muskeln und regt Sauerstoffversorgung und Kreislauf an. Selbst intensiver Sport hat gemäß einer Studie der John Hopkins Universität keine negativen Folgen auf den Verlauf der Schwangerschaft oder die Gesundheit des Kindes. Ganz im Gegenteil: Während des Trainings steigt der Babypuls im Schnitt auf 160 Schläge pro Minute und beruhigt sich danach wieder relativ schnell. Da die normale Herzfrequenz des Fötus ungefähr bei 140 liegt, macht das Kind im Prinzip eine kleine Trainingseinheit mit. Erfreulich ist dabei auch, dass durch die erhöhte Sauerstoffaufnahme die Entwicklung des Kindes unterstützt wird. Als Sport in der Schwangerschaft bietet sich vor allem moderates Ausdauerdauertraining an, wie etwa

  • Schwimmen
  • Aquajogging
  • Radfahren
  • Walking
  • Yoga
  • Pilates
  • Leichtes Krafttraining
Schwimmen und spezielle Aquafitnesskurs sind für Schwangere eine optimale sportliche Betätigung.

Schwimmen und spezielle Aquafitnesskurse sind für Schwangere eine optimale sportliche Betätigung.

Wenn Sie sich dabei unsicher sind, können Sie Ihren Sport in der Schwangerschaft auch in Form spezieller Aquafitness– oder Gymnastikkurse für Schwangere absolvieren.
Dagegen sind Aerobic und Jogging als Sport während der Schwangerschaft eher ungeeignet, da hierbei der Druck auf den Gebärmutterhals und auf den Beckenboden besonders groß ist. Angesichts der großen Verletzungs-und Sturzgefahr ist auch Inlineskating, Squash, Tauchen, Reiten, Skilaufen, Basketball oder Handball nicht als geeigneter Sport in der Schwangerschaft anzusehen. Extreme Kälte oder Hitze sollte stets gemieden werden. Beim Thema Sport gilt jedoch grundsätzlich: Hören Sie auf Ihren Körper und reduzieren Sie bei unangenehmen Gefühlen lieber Intensität oder Dosis. Überschreiten Sie demnach nie Ihre Grenzen und halten Sie – gemäß einer Faustformel – dauerhaft einen Puls von nicht mehr als 140. Sportmediziner sehen etwa 20 Minuten Schwimmen oder 30 Minuten Walken und dies an drei bis vier Tagen die Woche als ideal an. Wer Sport in der Schwangerschaft betreibt sollte ferner vor, während und nach dem Training reichlich trinken. Im ersten Trimester dürfen Sie es gerne etwas langsamer angehen lassen. Je gefestigter und damit je fortgeschrittener die Schwangerschaft ist, desto positiver wirkt sich der Sport auf die werdende Mutter aus.

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Kimberly Kolmorgen

Über 

ist Mama von zwei wunderbaren Kindern und unsere Expertin rund um die Themen Schwangerschaft und Geburt.

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Kimberly Kolmorgen

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