Tipps zum Stillen: Milchbildung anregen

Tipps zum Stillen: Milchbildung anregen

Die Fähigkeit zu stillen ist jeder Mutter von Natur aus mitgegeben. Sie müssen nichts tun, um diesen Prozess nach der Geburt in Gang zu setzen, denn Ihr Körper weiß, was zu tun ist. Die Milchmenge passt sich dabei immer den Bedürfnissen des Kindes an und lässt sich nach Bedarf steigern. Dabei braucht es nur das Wissen um die physischen Abläufe und das psychische Vertrauen in den eigenen Körper.

Kann ich zu wenig Milch haben?

Der Körper kann weniger Milch bilden, als zur Versorgung des Babys gebraucht wird. Aber nicht, weil er nicht mehr Milch „hat“, sondern weil er die Bildung von Milch beschränkt. Und die dazu erforderlichen Signale erhält er von der Mutter. In Form von Gedanken und Gefühlen.
Das erste Signal für die Milchbildung empfängt der Körper durch die Geburt. Durch sie entsteht in den Milchdrüsen die Milch als Nahrung für das Baby. Durch das Saugen des Kindes an der Brust erhält der mütterliche Körper die Information, die Milch aus den Milchzellen freizugeben, sodass das Baby trinken kann. Dieser Vorgang ist so perfekt angelegt, dass bei vielen Müttern der Milchfluss schon durch das Weinen des Kindes ausgelöst wird.

Es ist an dieser Stelle wichtig, einen Unterschied zu verstehen. Sie haben nicht zu wenig Milch. Es wird nur weniger gebildet als benötigt. Oder anders gesagt, der natürliche Verlauf der Milchmengensteigerung ist blockiert. Und das geschieht leider auf sehr einfache Weise.
Wir leben in einer Gesellschaft, die ihre natürlichen Wurzeln vergessen hat und alles selbst kontrollieren und handhaben will. Schwangerschaft, Geburt und Stillen zeigen dem Menschen auf, dass er eben nicht alles in der Hand hat. Er muss zurücktreten, Vertrauen in seinen Körper und die ablaufenden Prozesse entwickeln und stellenweise passiv abwarten. Was sich nicht mit dem Geist der Leistungsgesellschaft vereinbaren lässt.

Das Wohlbefinden der Mutter ist ausschlaggebend für die Milchbildung.

Das Wohlbefinden der Mutter ist ausschlaggebend für die Milchbildung.

Als werdende Mutter müssen Sie die Geburt abwarten, denn die Natur entscheidet über das Geburtsdatum. Schon während der Schwangerschaft werden Sie mit vorwiegend negativen Informationen versorgt, was alles schiefgehenkönnte. Angst wird in Ihr Denken gepflanzt, weil „man ja nie weiß, was passiert“. Sie wissen auch nicht, was passieren wird, aber genau deswegen ist es so wichtig, vom Richtigen auszugehen und nicht von Fehlfunktionen. Denn jeder angstvolle Gedanke bewirkt die Ausschüttung von Hormonen.
Oft sind es Gedanken, die wir nie direkt mit der Milchbildung in Zusammenhang bringen würden. Aber denken Sie für einen Moment an hängende Brüste nach der Stillzeit, an körperliche Unattraktivität und an die Wünsche Ihres Partners. Eine Angst davor sorgt automatisch für eine unbewusste Abwehr des Stillprozesses. Und eine steigende Milchmenge, die die Brüste noch mehr vergrößern würde, steht dem Wunsch nach weiblicher Schönheit komplett entgegen. Dann tritt das Phänomen ein, stillen zu wollen, während das Gehirn gleichzeitig „nein“ sagt, um die körperlichen Veränderungen zu stoppen. Erst wenn Sie bereit sind, die Versorgung des Babys über Ihre körperlichen Attribute zu stellen, kann der Milchfluss seinen ungehinderten Gang nehmen.

Jeder Gedanke wirkt auf den Körper

Sie müssen wissen, dass die Milchbildung ein sensibler Prozess ist, der auf einen harmonisch funktionierenden Körper angewiesen ist. Angstgefühle und Unsicherheiten stören dieses Gleichgewicht und verändern die produzierte Milchmenge. Wie auch die Funktionsweise jedes anderen Organs. Nur sehen wir diese organischen Auswirkungen nicht sofort, sondern erst nach Jahrzehnten. Dagegen ist das Stillen ein wunderbarer Vorgang des menschlichen Körpers, an dem wir sofort das Zusammenspiel zwischen Gedanken und Gefühlen in Bezug auf körperliche Reaktionen erleben können. Doch es ist ungewohnt, da wir nicht dazu erzogen wurden, auf unseren Körper und seine Signale zu hören.

Wie lässt sich die Milchbildung anregen?

Wenn Sie in einem entspannten Umfeld ein sorgenfreies Wochenbett genießen können, brauchen Sie nichts „machen“, denn alles regelt sich von selbst. Da aber die wenigsten Mütter in dieser Situation leben, braucht es oft Unterstützung. Nicht, weil der Körper naturgegeben nicht kann, sondern weil der Mensch den natürlichen Fluss blockiert. Erinnern Sie sich immer an diese Wahrheit, denn es hilft Ihnen zu verstehen, dass die Milch nicht von Ihnen gebildet wird. Sie können sie nur ausbremsen. Dieses Wissen nimmt den Druck, etwas „schaffen“ zu müssen. Sie brauchen nur weglassen, was nicht dazugehört.

Den Rhythmus zum Stillen gibt das Baby vor. Ihr Körper wird bei Bedarf darauf reagieren.

Den Rhythmus zum Stillen gibt das Baby vor. Ihr Körper wird bei Bedarf darauf reagieren.

Beim Stillen gibt Ihr Kind den Rhythmus vor und Sie bzw. Ihr Körper passen sich an.  Zu Beginn der Stillzeit fließt wenig Milch. Nicht, weil die Brust nicht richtig arbeitet, sondern weil das Baby sehr oft trinkt, aber immer sehr wenig. Lassen Sie Tabellen aus Lehrbüchern beiseite, denn diese verunsichern Sie nur. Besonders kurz nach der Geburt kann es sein, dass Sie den ganzen Tag mit dem Neugeborenen im Bett verbringen und jede halbe Stunde die Brust reichen. Ihr Körper wird die entsprechende Milchmenge regulieren.

Die Natur sorgt selbst für einen stärkeren Milchfluss, wenn sich der Appetit und Energieverbrauch Ihres Babys erhöht. Indem genau das passiert, was Müttern Angst einjagt. Das Baby trinkt und beginnt plötzlich zu schreien. Die Brust scheint leer, doch der Nachwuchs ist noch nicht satt. Bewahren Sie Ruhe, denn Ihr Baby verhungert nicht. Es fehlen vielleicht einige Gramm, um ihm die nötige Bettschwere zu bescheren, aber das hat sich in wenigen Tagen eingespielt. Trösten Sie es, tragen Sie es umher, sodass es etwas abgelenkt ist und denken Sie daran, dass die Natur ihre Arbeit macht und zusätzliche Milchzellen einschaltet. Bieten Sie Ihrem Kind in dieser Situation viel häufiger die Brust an. Der ständige Saugreflex macht dem Körper klar, dass der Bedarf größer ist als das Angebot. Der Körper wird dementsprechend reagieren. Das ist ein normaler Vorgang, der sich in jedem Stillprozess meldet. Schauen Sie also nicht auf den Aspekt, dass es gerade zu wenig Milch gibt, sondern machen Sie sich klar, dass Ihr Kind mehr Milch abruft als bisher und der Körper SOFORT darauf reagiert, wenn Sie ihn nicht blockieren. Ihr Körper weiß, was er tut. Wäre das nicht der Fall, müsste er Ihre Brüste sofort nach der Geburt literweise mit Milch überschwemmen, da Ihr Baby ja irgendwann den Hunger auf diese Menge entwickeln wird. Da die Natur aber intelligent ist, liefert sie bezüglich der Nachfrage, die das Kind in der Hand hat. Es ist das perfekte Zusammenspiel, das Sie nicht mit Ängsten stören sollten.

Die Natur macht es selbst

Mit Stilltees, entspannende Bädern, warmen Brustwickel, Tees aus Brennnesseln und häufigerem Anlegen können Sie die Milchbildung anregen. Bitte denken Sie aber daran, dass diese äußeren Mittel nichts nützen, wenn Sie innerlich unter Druck stehen. Bei einem angespannten Gemüt werden keine Mittel die Milchbildung anregen oder steigern, weil die Unsicherheit den Körper verkrampft. Sie können nicht in Ihren Körper schauen, sehen nicht, wie die Milch gerade produziert wird. Sie kontrollieren diese Vorgänge nicht und geraten deswegen in Unruhe. Was oft den Griff zur Fertigmilch bewirkt, denn diese können Sie abmessen und selbst variieren. Hier wissen und sehen Sie, was Sie „haben“.
Stilltee wirkt, wie auch reiner Brennnesseltee, nicht nur auf die Milchbildung, sondern vorrangig auf Ihr Befinden. Die Kräutermischungen entspannen Körper und Geist, und genau das ist es, was für eine unbehinderte Milchbildung sorgt. Ein heißes Bad, liebevolle Fürsorge durch die Familie und Freunde und der Entschluss, dass alles andere für eine bestimmte Zeit nicht wichtig ist, sorgen für Wohlbefinden. Das sich auf den Körper auswirkt, der entspannt SEINE Arbeit tun kann.

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