Schreibaby: Was hilft?

Schreibaby - was hilft?

Kaum ist das Baby auf der Welt, schon schreit es und macht Eltern damit zu den glücklichsten Menschen der Welt. Doch in den folgenden Monaten kann das Babyschreien Eltern nahezu in die Verzweiflung treiben, wenn es einfach nicht aufhören will zu schreien. Ärzte diagnostizieren oftmals Bauchkoliken oder Blähungen und liegen mit der Diagnose nicht selten falsch, denn geschätzte 20 Prozent der Säuglinge zählen zu den sogenannten Schreibabys. Wenn auch Sie den Eindruck haben, dass Ihr Baby auffallend viel schreit, helfen wertvolle Tipps, wie Sie Herr der Situation werden und Ihr Kind als Schreibaby ruhiger wird.

Was ein Schreibaby?

Die ersten Monate nach der Geburt gehört Babygeschrei einfach dazu. Mal ist es die volle Windel, dann hat es Hunger und manchmal sucht es auch nur die Wärme von Mama oder Papa. Von Normalität sprechen Experten, wenn ein Baby bis zu ein oder zwei Stunden am Tag schreit.
Um zu erfahren, ob Ihr Kind ein Schreibaby ist, können Sie sich an der sogenannten Dreier-Regel orientieren. Diese besagt, wenn Ihr Baby mindestens dreimal wöchentlich für eine Dauer von mindestens drei Stunden über einen Zeitraum von mindestens drei Wochen schreit und sich nur schwer oder gar nicht beruhigen lässt, dann zählt Ihr Kind zu der Kategorie Schreibaby.
Unter Experten wird dies als „exzessives Schreien von Säuglingen“ betitelt. Zahlreiche Studien haben ergeben, dass vor allem Babys in den ersten drei Lebensmonaten oft betroffen sind. Schon ab der zweiten Lebenswoche können die typischen Symptome eines Schreibabys auftreten, die sich nicht selten bis zum fünften oder sechsten Lebensmonat erstrecken.

Symptome und Ursachen

Ein Schreibaby fällt durch ungewohnt lange Schreiphasen auf, ohne dass Hunger oder eine nasse Windel die Ursache dafür sein können. Am Abend verstärken sich diese meist noch. Ein Beruhigen ist nur schwer oder gar nicht möglich. Das Schreibaby reagiert in der Regel auf keinen Versuch der Ablenkung und kann sogar in den Phasen das Stillen oder die Flasche ablehnen.
Zudem zeigen sich Schreibabys gereizter als andere Babys. Befinden sie sich in einer ruhigen Phase, können sie aufgrund von kleinsten Anreizen wieder zu schreien beginnen. Dabei verkrampft sich oftmals der gesamte Körper und nimmt nicht selten eine fast starre Streckhaltung mit durchgedrückter Wirbelsäule ein.
Überwiegend entwickelt sich durch das langanhaltende Schreien ein Blähbauch, aufgrund dessen Ärzte oftmals eine falsche Diagnose wie zum Beispiel Verdauungsprobleme diagnostizieren.
Durch die Anstrengung entwickelt sich eine extreme Gesichtsröte. Gelegentliche Atemaussetzer beziehungsweise Störungen des Atemrhythmus sind Begleiterscheinungen bei exzessivem Schreien.
Zudem schläft ein Schreibaby deutlich weniger als normale Kinder, was zu einer Übermüdung führt und die Reizbarkeit nochmals steigert. Meist fallen sie erst nach völliger Erschöpfung in den Schlaf.

Bei den Ursachen sind Experten sich bis heute nicht einig, was tatsächlich dazu führt, dass in der ersten Lebensmonaten Säuglinge zu Schreibabys werden lässt. Untersuchungen ergaben, dass sich unter den Babys nach schweren, schnellen Geburten oder Kaiserschnitten mehr Schreibabys befinden, als nach normalen Geburten. Diese Faktoren können dazu beitragen, dass sich bei Kindern eine Art Blockade bildet, die Einfluss auf das Schreiverhalten nehmen kann.
Als ein weiterer Faktor werden Stress, Depressionen und Probleme in der Schwangerschaft der Mutter genannt. Studien zeigen, dass unter vielen Schreibabys die Mütter in ihrer Schwangerschaft beruflichem Druck unterlagen, Probleme in der Partnerschaft hatten oder depressive Eigenschaften vorwiesen.
Eine innere Unruhe kann von der werdenden Mutter auf das ungeborene Kind übertragen werden und somit schon in der Schwangerschaft eine erhöhte Reizbarkeit des Babys hervorrufen.
Wenn zwischen Mutter und Kind eine gestörte Beziehung besteht, kann dies ebenfalls eine Ursache für exzessive Schreianfälle sein.

Andere Gründe für das Vielschreien und Abklärung

Nicht zu Verwechseln sind typische Schreibabys mit Kindern, die aufgrund gesundheitlicher Probleme oft schreien. Säuglinge leiden in den ersten Lebensmonaten oftmals unter starken Bauchschmerzen durch Koliken, die sich meist aufgrund des noch unterentwickelten Magen- und Darm-System entwickeln und Kinder überdurchschnittlich lang beziehungsweise oft schreien lassen.
Immer häufiger zeigen sich bereits unter den Säuglingen diverse Allergien oder Unverträglichkeiten. Auf die Muttermilch reagieren Kinder in der Regel nicht. Wenn Sie aber mit Babynahrung füttern, könnte eine Milch-Unverträglichkeit ebenso Ihr Baby zum Schreien veranlassen, wie säurehaltige Getränke, die den noch unausgereiften Magen- und Darm-Trakt oftmals reizen.
Auch können Textilien gewissen Reize auslösen, was Ihnen Ihr Baby durchs Schreien mitteilen möchte. Kratzende Stoffe empfindet jedes Baby als unangenehm. Oder meinen Sie es einfach zu gut und kleiden Ihr Baby stets zu warm? Auch Babys fühlen sich in unangemessener Kleidung unwohl, wenn es zu kalt oder zu warm wird.
Wählen Sie eine falsche Schlafposition? In den ersten Wochen können sich Säuglinge selbst noch nicht im Bettchen drehen und sind deshalb auf Ihr Feingefühl angewiesen. Schon im jungen Alter entwickeln Babys Lieblingspositionen und manche wollen einfach nicht auf dem Rücken oder der Seite schlafen. Daraus ergibt sich manchmal eine Übermüdung, welche die Reizschwelle von Ihrem Schreibaby absinken lässt und während der Wachphase viel schreien lässt.

Bevor Sie davon ausgehen, ob Ihr Kind ein Schreibaby ist, sollten Sie diese Faktoren zuerst in Betracht ziehen, gegebenenfalls durch den Kinderarzt abklären lassen beziehungsweise eventuelle Gründe für das Schreien unter den genannten Punkten selbst untersuchen und aus dem Weg räumen. Wenn dann Ihr Kind immer noch mehr als normal schreit, dann könnten Sie ein Schreibaby haben.

Tipps für mehr Ruhe mit einem Schreibaby

Grundsätzlich sollte jeder Beruhigungsversuch mit viel Feingefühl einhergehen und sanft durchgeführt werden. Verzichten Sie dabei auf viele Reize wie zahlreiches Spielzeug und wählen Sie langsames Schaukeln anstatt hastige Bewegungen. Perfekt eignen sich rhythmische Bewegungen wie das leichte Schaukeln auf dem Arm, einem Gymnastikball oder im Kinderwagen.

Singen Sie sanft dem Babygeschrei entgegen und geben Sie nicht auf, weil Sie meinen, Ihr Baby hört Sie bei dem lauten Schreien nicht. Singen Sie immer und immer wieder das gleiche Lied, so dass für Ihr Baby ein stimmlicher Rhythmus erkennbar ist.

Ein gleichmäßiger Tagesablauf bringt jeden Tag ein wenig mehr Ruhe in den Alltag und bietet Ihrem Baby Struktur, die es die Tagesgeschehnisse vorhersehen lässt.

Bei einigen Babys schlagen Beruhigungsversuche manchmal genau ins Gegenteil um, weil sie eventuell Ruhe bevorzugen. Deshalb sollte ein Beruhigungsversuch immer nur bis maximal 10 Minuten andauern und dann für circa fünf Minuten unterbrochen werden. Nicht selten beruhigen sich Schreibabys von selbst.

Eine eher ungewöhnliche, aber oft funktionierende Möglichkeit, stellt das sogenannte Pucken dar. Dazu werden Schreibabys eng in ein Tuch gewickelt, was beruhigend auf die Kinder wirkt. Diese besondere Technik ist allerdings nur bis zur 6. Lebenswoche anwendbar.

Sollten all diese Tipps keine Wirkung zeigen und Sie haben das Gefühl, völlig mit der Situation überfordert zu sein, dann wäre der Besuch einer Schreiambulanz ein weiter Lösungsansatz. Hier werden in erster Instanz die Ursachen für das Schreien untersucht auf die weitere Maßnahmen folgen. Dabei steht im Fokus, Eltern wieder einen entspannten Alltag zu ermöglichen, indem das Erregungspotenzial von einem Schreibaby gesenkt wird.

Kimberly Kolmorgen

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ist Mama von zwei wunderbaren Kindern und unsere Expertin rund um die Themen Schwangerschaft und Geburt.

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Kimberly Kolmorgen

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