Windpocken in der Schwangerschaft

Windpocken in der Schwangerschaft

Bei dem Begriff „Windpocken“ wird oftmals zunächst nur an eine ansteckende Erkrankung gedacht, die in den häufigsten Fällen im Kindesalter durchgemacht wird. Aber nicht alle Erwachsenen haben in ihrer Kindheit diese Krankheit gehabt oder sind durch eine Windpockenimpfung immunisiert worden. Für Personen, die sich erst in späteren Lebensjahren an dieser Viruserkrankung anstecken oder erwachsene Frauen, die Windpocken in der Schwangerschaft bekommen, kann diese Erkrankung sogar für sie selbst und das ungeborene Kind gefährlich werden.

Was sind Windpocken?

Der medizinische Fachbegriff für Windpocken lautet Varizellen, da für die Erkrankung der Varizelle-Zoster-Virus verantwortlich ist. In früheren Zeiten oder auch heute noch in Österreich wird für Windpocken auch der Name „Blattern„, wie zum Beispiel als „Feuchte Blattern„, „Wilde Blattern“ oder „Schafblattern“ und Ähnliches verwendet. Auch die Bezeichnung „Wasserpocken“ kann als Name für Windpocken auftreten. Von den sehr gefährlichen Pocken, die bei den Erkrankten die typischen Pockennarben auf der Haut hinterlässt und von einem anderen Virus verursacht wird, ist die Kinderkrankheit Windpocken jedoch zu unterscheiden. Die Windpocken sind eine Kinderkrankheit, von der in den häufigsten Fällen Kinder im Kindergarten- beziehungsweise Vorschulalter betroffen sind. Die Erreger können sehr leicht über eine Tröpfcheninfektion übertragen werden. Aufgrund dieser leichten Übertragbarkeit haben die Windpocken ihren Namen erhalten. Typisch für die Erkrankung sind ein sehr stark juckender roter Hautausschlag mit kleinen wässrig-klaren Hautblasen und ein recht hohes Fieber. Bei sehr schwerwiegenden Verläufen der Erkrankung können weitere bakterielle Infektionen der Haut hinzutreten. Auch Ausweitungen mit einer Lungenentzündung oder Hirnhautentzündung sind in selten auftretenden Fällen als Komplikation der Krankheit möglich. Bei einem normalen Verlauf der Kinderkrankheit Windpocken durchleben sie Kinder innerhalb von drei bis fünf Tagen und sind danach ein Leben lang immunisiert. Dieser Immunschutz sorgt dafür, dass die Erkrankung nicht ein weiteres Mal auftreten kann.

Windpocken in der Schwangerschaft – Wie gefährlich sind sie für Mutter und Kind?

Schwangere sollten mit Hausarzt oder Gynäkologen sprechen, falls sie noch nie Windpocken hatten oder sich nicht sicher sind.

Schwangere sollten mit Hausarzt oder Gynäkologen sprechen, falls sie noch nie Windpocken hatten oder sich nicht sicher sind.

Wenn Sie genau wissen, dass Sie schon einem eine Erkrankung an Windpocken in Ihrer Kindheit durchgemacht haben, brauchen Sie sich keine Sorgen machen, während Ihrer Schwangerschaft sich noch einmal an dem Erreger infizieren zu können. Sie haben dann ausreichenden Immunschutz entwickelt und gehören zu den ungefähr 95 Prozent an werdenden Müttern, auf die diese Immunität zutrifft. Sollten Sie jedoch zu den restlichen 5 Prozent gehören, die noch nie an Windpocken erkrankt waren oder sind sich nicht sicher, ob Sie gegen Windpocken geschützt sind, ist es sehr ratsam dieses mit Ihrem Hausarzt oder Gynäkologen zu besprechen. Besser ist es, mit einem Gespräch bei Ihrem Arzt nicht erst darauf zu warten, bis sie zu einem mit Windpocken erkrankten Kind oder Erwachsenen Kontakt hatten. Auch während der Inkubationszeit, die zwischen 10 bis 21 Tage betragen kann, vor dem eigentlichen Ausbruch der Erkrankung kann schon eine Ansteckungsgefahr bestehen.

Welche Folgen kann eine Ansteckung mit Windpocken in der Schwangerschaft haben?

Wie gefährlich eine Windpockenerkrankung für Ihr ungeborenes Kind werden kann, ist davon abhängig, in welcher Zeit der Schwangerschaft Sie sich befinden:

  • Bis zur 24. Schwangerschaftswoche ist das Risiko für das Kind durch eine Windpockeninfektion der Mutter davon zutragen sehr gering. In dieser Zeit kann es zu Fehlgeburten kommen. Am größten wird das Risiko für die Zeit zwischen der 13. und 20. Schwangerschaftswoche angesehen. Mögliche Schädigungen können Fehlbildungen, Schädigungen der Gliedmaßen, der Augen, des Hirns und Nervensystems durch Entzündungen, Geschwülste oder Narbenbildungen sein. Auch ein Minderwuchskann die Folge sein. Allerdings ist das Vorkommen sehr gering und liegt nur bei 1 bis 2 Prozent der vorkommenden Fälle von Windpockenerkrankungen in der Schwangerschaft;
  • In der Zeit zwischen der 24. Schwangerschaftswoche bis kurz vor der Geburt ermöglicht es eine medikamentöse Therapie eine größere Gefährdung des ungeborenen Kindes zu verhindern;
  • Die größte Gefahr für das Kind durch Windpocken in der Schwangerschaft besteht in der Zeit vor der Geburt. In ungefähr 8 Prozent aller Fälle kann der Erreger von der schwangeren Mutter auf das Kind übertragen werden, das zu diesem Zeitpunkt von den Antikörpern der Mutter nicht ausreichend geschützt werden kann. Auch selbst genügend Antikörper gegen den Varizellenvirus zu bilden, ist dem Baby nicht möglich. Dadurch kann eine Infektion zu diesem Zeitpunkt für das Kind lebensgefährlich werden oder sehr schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben.

Welche Maßnahmen können schwangere Frauen ergreifen, um sich und ihr Kind vor Windpocken zu schützen?

Die Immunisierung durch eine Impfung ist nur vor der Schwangerschaft möglich.

Die Immunisierung durch eine Impfung ist nur vor der Schwangerschaft möglich.

Nur ungefähr 10 Prozent aller Personen sind in ihrer Kindheit nicht mit dem Windpocken-Virus erkrankt gewesen. Wenn Sie zu diesen 10 Prozent gehören, ist es am sichersten – wenn möglich – vor dem Eintreten einer Schwangerschaft eine entsprechende Immunisierung vorzunehmen. Sollten Sie unsicher sein, in Ihrer Kindheit eine Immunisierung durch eine Ersterkrankung von Windpocken erhalten haben, ist es sehr ratsam, mit Ihrem Hausarzt zu sprechen. Vor der Schwangerschaft besteht die Möglichkeit, eine Immunisierung durch eine entsprechende Impfung zu erreichen. Während einer Schwangerschaft ist diese Impfung nicht möglich. Auch nach einer Ersterkrankung mit Windpocken ist es möglich, als Erwachsener ein weiteres Mal sich mit dem Erreger zu infizieren. Allerdings hat der Körper ausreichend Abwehrstoffe entwickelt, dass ein weiterer Ausbruch nicht zu erwarten ist. Die Antikörper der Mutter reichen dann aus, die Erreger so weit abzuschwächen, dass die Infektion für das Kind kaum eine Gefahr bilden kann. Sollte jedoch eine Gefährdung oder der Verdacht auf eine Erstinfektion für Windpocken in der Schwangerschaft bestehen, sollten schnellstmöglich Schutzmaßnahmen ergriffen werden. Während einer Schwangerschaft kann eine medikamentöse Therapie mit einem Antiserum oder sogenannten Immunglobulinen eine Infektion verhindern oder abmildern. Dieses Medikament könnte beispielsweise Aciclovirsein. Die Kosten für eine Immuntherapie bei einer Risikogefährdung für das ungeborene Kind können von Krankenkassen übernommen werden.

Welcher Zusammenhang besteht zwischen Gürtelrose und Windpocken?

Wichtig für schwangere Frauen ist es zu wissen, dass an einer Gürtelrose erkrankte Personen den Windpockenerreger übertragen können. Sollten Sie sich unsicher sein, in Ihrer Kindheit durch eine Windpockenerkrankung ausreichend immunisiert worden zu sein und haben in Ihrer Schwangerschaft Kontakt zu einer mit Gürtelrose erkrankten Person, kann es für Sie und Ihr ungeborenes Kind sicherer sein, Ihren Frauenarzt oder Frauenärztin darauf anzusprechen. Für die Gürtelrose ist ebenfalls der Varizella-Zoster-Virus verantwortlich, wie auch für die Windpocken. Diese Viren werden ausschließlich von Menschen auf Menschen übertragen. Durch die Windpockenerkrankung in der Kindheit bleiben die Varizella-Zoster-Viren das gesamt Leben lang im Körper bestehen. Dieser Varizella-Zoster-Virus gehört in die Gruppe der Herpes-Zoster-Viren. Bei der Windpockenerkrankung werden diese Viren im Körper nicht vollständig vernichtet, werden aber von den Antikörpern des Immunsystems normalerweise so weit „in Schach“ gehalten, dass eine erneute Erkrankung nicht möglich ist. Tritt im späteren Leben eine Erkrankung durch den Varizella-Zoster-Virus auf, dann in Form einer Gürtelrose. Symptome für eine Gürtelrosesind beispielsweise ein juckender und schmerzender Hautausschlag mit kleinen Bläschen entlang von Nervenbahnen. Selten breitet sich die Gürtelrose aber über größere Körperareale aus. Von einer Erkrankung der Gürtelrose können ungefähr 20 Prozent aller Personen betroffen sein. Diese Gürtelrose ist für Schwangere und Kind bis kurz vor der Geburt nicht gefährlich. Sieben bis fünf Tage vor der Geburt und zwei bis vier Tage danach ist die Ansteckungsgefahr für das ungeborene oder neugeborene Kind mit dem Varizella-Zoster-Virus am größten, mit den möglichen Folgen durch eine Windpockenerkrankungfür das Baby. Aus diesem Grund sollten Sie schon bei Verdacht von Gürtelrose mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin sprechen.

Bild 1: © Romario Ien – Fotolia.om
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Kimberly Kolmorgen

Über 

ist Mama von zwei wunderbaren Kindern und unsere Expertin rund um die Themen Schwangerschaft und Geburt.

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Kimberly Kolmorgen

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